Schalke: „Sind bereit, zu leiden“

von Redaktion

Das nächste Spiel ist gegen die Bayern – Seniorige Augsburger mit schnellem Kade

Augsburg – Augsburgs Sportdirektor Benni Weber checkte die Meldungen, die vom eben erlebten Spiel eintrudelten – und er fasste, was er gelesen hatte, so zusammen: „Die Nachricht war: ,Schalke hat verloren“. Nicht ,Augsburg hat gewonnen‘. Von der sportlichen Warte aus eine ungerechtfertigte Wahrnehmung, denn der FCA hat gerade seine 16. Saison in der Bundesliga in Angriff genommen, Schalke hingegen ist zur Fahrstuhlmannschaft geworden, die drei Jahre in der 2. Liga zubringen musste. Die Rückkehr zeigte die Wucht, die dieser Verein hat: Ein Drittel der Augsburger WWK-Arena war am Sonntagabend in königsblauer Hand. Auf der anderen Seite aber das Spiel und sein Verlauf: ein 3:0-Sieg des FC Augsburg, an dessen Berechtigung es keinen Zweifel gab.

Schalke hat also zum Auftakt erkennen müssen, dass es mit der vom FC Augsburg repräsentierten Bundesliga-Mittelklasse in entscheidenden Momenten nicht mithalten kann. „Letztes Jahr haben wir die Gegner bestraft“, blickte Trainer Miron Muslic auf die 2. Liga zurück – und erkannte: Jetzt ist es seine Mannschaft, die abgewatscht wird, wenn sie einen Fehler begeht. „Ballverlust von uns, und der Gegner kommt zu klaren Chancen – das war die Geschichte des Spiels“, meinte Sportdirektor Youri Mulder. 0:1 (schlechter Abwurf von Torwart Loris Karius) und die Rote Karte für Ron Schallenberg (Aufbaufehler des eingewechselten Maximilian Wöber) in der 62. Minute – Schlüsselszenen, die gegen Schalke sprachen.

Mit einem 0:3 gehen die Gelsenkirchner ins zweite Spiel am kommenden Samstag (18.30 Uhr), das erste zuhause, das sie vor die schwerste Aufgabe stellt: Die Bayern kommen. Von einer fatalen Ansetzung wollte Muslic nicht sprechen, das gehöre „nicht zu meinem Wording“. Lieber sagt er: „Wir kennen unsere Rolle als Aufsteiger, wir haben eine gesunde Selbsteinschätzung, wir sind Schalke und bereit, zu leiden.“ Erste Erkenntnis: „Die Bundesliga verlangt ein anderes Level an Wachsamkeit.“ Grundsätzlich sei man eingestellt auf „zehn brutal intensive Monate“. Positives, so Youri Mulder: „Auch als wir zu zehnt spielten, sah man: Wir sind fit ohne Ende.“

Nun ja, an Tempo, vor allem hinten, fehlte es Schalke sichtbar. Der schnelle Augsburger Anton Kade nahm die Nullvierer mehrmals auseinander, er bereitete das 1:0 (Gregoritsch) vor, erzielte das 2:0 selbst – und ist nun ein heißer Tipp, wenn der auf der Tribüne präsente Bundestrainer Jürgen Klopp demnächst seinen ersten Nationalmannschaftskader bekannt geben wird. Den 22-jährigen Berliner, der von 2022 bis 25 beim FC Basel spielte, hatten die Augsburger vorigen Sommer günstig für etwas mehr als zwei Millionen Euro geholt. Der damalige Trainer Sandro Wagner wunderte sich, „dass wir ihn zu solchen Konditionen bekommen haben“. Wagner-Nachfolger Manuel Baum redete Kade dessen Selbstdefinition „als rechter Schienenspieler“ aus und verwendete ihn auf diversen Offensiv-Positionen: „Flügel rechts, links, Spitze, Zehner.“ Zu laute Lobgesänge auf den DFB-Aspiranten Kade („Ich wusste, dass der Bundestrainer da ist, er hat ein gutes Spiel gesehen, ich habe gut gespielt“) wollte er nicht anstimmen: „Ich fand Hennes Behrens und Noahkai Banks genauso gut.“

3:0, so souverän ist der FCA, der mit Juma Bah (Manchester City) noch einen Innenverteidiger holen will, noch nie in eine Saison gestartet. Coach Baum gefiel, dass es keine Spur von Hektik gab: „Das wirkte seniorig.“GÜNTER KLEIN

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