Schlucken, heilen lassen, neu angreifen

von Redaktion

„Tut extrem weh“: Nach einer bärenstarken Saison verpassen die Munich Ravens die Krönung

Gestoppt: Die Ravens um Seelig unterlagen im Finale Nordic Storm. © Doninelli/Imago

Innsbruck – Sämtliches Konfetti war verschossen, die Zigarren fast aufgeraucht und die Champagnerflaschen leer gespritzt. Da stand Kendral Ellison immer noch auf dem Rasen des Tivoli-Stadions. Gedankenversunken blickte der Cheftrainer der Munich Ravens ins Leere. Kurz zuvor hatte seine Mannschaft das Finale der European Football Alliance (EFA) deutlich mit 28:48 gegen Nordic Storm verloren und den Skandinaviern beim Feiern zuschauen müssen. So endet ein überragendes Jahr 2026 der Münchner Footballer mit einer enorm schmerzhaften und in der Klarheit unerwarteten Niederlage.

Dieser Schmerz ist auch in Ellisons Stimme im Interview zu hören: „Wir haben heute einfach zu viele Fehler gemacht. Immer wieder haben wir uns selbst ein Bein gestellt. Das waren Unsauberkeiten, die uns in der ganzen Saison nicht passiert sind. Gegen so ein gutes Team wird das bestraft. Im Finale nicht abliefern zu können, tut extrem weh, denn es gibt nun mal keine weitere Chance“, analysierte der Coach.

Dabei hatte der Tag aus Ravens-Sicht eigentlich vielversprechend begonnen. Viele Münchner Footballfans hatten die kurze Reise nach Tirol angetreten und ließen es sich den Tag über in der sonnigen Innenstadt gut gehen. Bei Schnitzel und Bier strahlten alle Optimismus aus, dass es im vierten Anlauf nun endlich mit dem Titel klappt. „Die Ravens-Crowd ist bereit! Wir fliegen heute alle gemeinsam bis ganz nach oben“, so einer der Anhänger. Dementsprechend gut war auch die Stimmung auf der prall gefüllten Haupttribüne des Innsbrucker Stadions im Schatten des eindrucksvollen Bergpanoramas. Die zahlenmäßig klare Überlegenheit der Münchner Fans gegenüber der skandinavischen Konkurrenz war deutlich zu sehen und vor allem zu hören. Es war eine finalwürdige Kulisse und daher schon vor Anpfiff ein Erfolg für die EFA. Ein Erfolg, der zu Beginn des Jahres nach dem großen Chaos rund um die insolvente ELF und ihre Nachfolgerligen so nicht unbedingt abzusehen war. „Wir sind superstolz, wenn man bedenkt, wo wir im Januar waren. Danke an die Fans, die in der Offseason bei uns geblieben sind und heute hergereist sind. Für solche Tage wollen wir diese Liga aufbauen“, erklärte der EFA-Geschäftsführer Eric Reutemann vor Spielbeginn. Lauter Applaus folgte.

Mehr Grund zum Klatschen gab es für die Ravens-Fans in der Folge allerdings selten. Schon früh war zu erkennen, dass eine fehleranfällige und verunsicherte Ravens-Defensive der überragenden Nordic-Offensive um Quarterback und Final-MVP Jadrian Clark nicht gewachsen war. Hinzu kamen mehrere mindestens diskutable Schiedsrichterentscheidungen, die den Ravens-Angriff um den aufopferungsvoll kämpfenden Ballträger Justus Seelig immer wieder ausbremsten. „Ich werde die Referees nicht offen kritisieren, aber sie haben Einfluss auf das Spiel genommen und das sollten Schiedsrichter nicht tun“, so Ellison.

Nun geht es für die Ravens in eine lange Pause. Erst im Mai startet die nächste Saison, dann voraussichtlich mit neuer Konkurrenz aus London und Mailand. Aufgeben ist für die ambitionierten Münchner aber keine Option. „Heute hat jeder diesen Schmerz in sich, das will niemand nochmal haben. Jetzt heißt es schlucken, heilen lassen und wieder stärker zurückkommen“, erklärte Verteidiger Johannes Zirngibl.CLAAS SCHÖNFELD

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