„Abenteuer findet man auch in Europa“

von Redaktion

Nach 127 Tagen und 24 000 Kilometern radelt Jonas Deichmann wieder auf den Odeonsplatz

Deichmann und Rutkowksi in den Dolomiten.

So mag es Deichmann, zelten in der Natur.

Die Versorgung auf Reisen war nicht immer einfach.

Endlich wieder! Deichmanns geliebte Spätzle.

Am Odeonsplatz startete und endete die Europa-Umrundung auf dem Rad. © Deichmann

„Spektakulärer Ort“: Jonas Deichmann mit seiner Freundin Josefine Rutkowski am Nordkap. © Deichmann

127 Tage, 24.000 Kilometer, 250.000 Höhenmeter. Der mehrfache Weltrekordhalter Jonas Deichmann ist gemeinsam mit seiner Partnerin Josefine Rutkowski (mit Einschränkungen bei der Routenplanung) um Europa geradelt. Start- und Zielpunkt war der Odeonsplatz. Unser Interview mit Deichmann.

Jonas Deichmann, 127 Tage auf dem Rad. Wie hat sich das Ankommen angefühlt?

Das war ein sensationelles Projekt – nach dem Triathlon um die Welt das zweitlängste meines Lebens. Für mich war es eine neue Erfahrung, so etwas zu zweit umzusetzen. Nach vielen Höhen und Tiefen wieder in München zu stehen, ein saugeiles Gefühl. Der Odeonsplatz ist ohnehin besonders für mich, hier habe ich auch den Triathlon um die Welt begonnen und beendet. Die Abenteuer sind schön, aber Ankommen ist natürlich immer das Ziel (lacht).

Vom Solo-Abenteurer zum Pärchen-Abenteuer mit Josefine Rutkowski. Wie lief es?

Wir hatten dieselben Vorstellungen von dem Projekt, haben uns super ergänzt. Wir konnten die Momente teilen, uns abends darüber austauschen. Die Highlights, aber auch die harten Momente zusammen erleben. Das war einfach nur schön.

Über Monate jeden Tag aufstehen und ab aufs Rad. Wer meckert da zuerst: der Körper oder der Kopf?

Das Mentale ist immer das Anstrengendste. Körperlich war es hauptsächlich diese Dauerbelastung. Vier Monate ohne Ruhetag, teilweise schwierige Verpflegungslage, das geht an die Substanz. Das ist eben die Herausforderung bei solchen Projekten: Wenn mal nicht alles funktioniert, an Regentagen, an Hitzetagen, wenn die Landschaft monoton ist … Dann musst du eben trotzdem weitermachen.

Wie hat das Wetter mitgespielt?

Ich muss ganz klar sagen: Der Klimawandel hat sich bei dem Projekt krass bemerkbar gemacht. Ich habe Europa immer so wahrgenommen, dass es kein Kontinent der Extreme ist. Jetzt hatten wir im Mai schon 40 Grad in Spanien. In Norwegen dann acht Grad und Dauerregen für drei Wochen. Überall sonst gab es eine brutale Hitze, in Osteuropa dann auch zahlreiche Waldbrände.

Welche Momente auf der Reise sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Die Tiererlebnisse waren dieses Mal ganz besonders. In Norwegen und Finnland haben wir zwölf Elche getroffen. Oder auch ein Rentier, das ganz entspannt neben der Straße steht. Die Ankunft am Nordkap war auch magisch, das ist so ein spektakulärer Ort.

Bei der Routenplanung haben Sie auf einsame Wege abseits des Tourismus gesetzt.

In den meisten Ländern hat es sehr gut funktioniert. In Süditalien gar nicht, da war es mit der Routenplanung echt holprig. Die Küste war eine große Herausforderung. Im Sommer möchte jeder ans Meer, die Regionen um das Mittelmeer sind ohnehin zugebaut. Da war der Verkehr teilweise lebensgefährlich. Es war der Kompromiss: Eine schöne Route zu finden, die auch mal am Meer entlangführt, aber trotzdem wenig Verkehr. Wir sind oft ins Hinterland ausgewichen. Das bedeutet allerdings wieder, dass die Verpflegung schwieriger wird.

Sie haben die Auswirkungen des Tourismus gespürt. In Rumänien saßen Bären an einer viel befahrenen Straße, die auf Essen gewartet haben.

Das war keine schöne Erfahrung. Ich habe in Alaska oder Kanada Bären in freier Wildbahn gesehen. Bären, die an der Straße nach Essen betteln, da ist überhaupt nichts mehr Schönes dran. Das ist eigentlich schlimmer als im Zoo.

Was ist Ihr Fazit nach der Reise? Kann man in Europa noch Abenteuer finden?

Zu einhundert Prozent. Man kann in Europa wunderbare Abenteuer finden. Wir haben Gegenden in Spanien oder Finnland gefunden, die so viel Ruhe und Wildnis ausgestrahlt haben. Man muss nur ein bisschen suchen, weg von der Küste, dann gibt es diese puren Abenteuer.

INTERVIEW: N. M. SCHMITZ

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