Wilder Ritt in Runde zwei

von Redaktion

Bayerns 4:1 in Osnabrück gleicht zu Beginn einer Achterbahnfahrt

Ekstase in Minute 5: Der VfL in Führung. © Niemeyer/IMAGO

Ein Zug mit Bremse: Die VfL-Choreo. © Wedel/IMAGO

„Mr. Pokal“ ist zur Stelle: Kane, im Vorjahr zehnmal erfolgreich, traf auch diesmal mit seinem ersten Saisontreffer zum Ausgleich. Vom Punkt legte er später nach. © Wunderl/IMAGO

Osnabrück – Oktoberfest-Anstich ist erst in zweieinhalb Wochen, aber einen kleinen Vorgeschmack auf das größte Volksfest der Welt konnte der FC Bayern am Mittwochabend mehr als 500 Kilometer entfernt von der Theresienwiese schon mal erleben. Mit den Worten „Der VfL Osnabrück geht ab wie die Achterbahn“ hatten die Fans des Zweitligisten den Titelverteidiger zur ersten Runde im DFB-Pokal in ihrer sehenswerten Choreografie begrüßt – und die Spieler auf dem Rasen Taten folgen lassen. Ein gemütlicher Wiesn-Spaziergang war dieser Abend nicht. Trotzdem stand am Ende ein 4:1 (2:1) aus Sicht des FC Bayern und der Einzug in die zweite Runde.

Das Team von Vincent Kompany musste nach dem frühen Treffer von Robin Meißner (5.) sogar einem Rückstand hinterherlaufen, drehte die Partie aber noch vor der Pause durch Treffer von „Mr. Pokal“ Harry Kane (18.) und Tom Bischof (24.). Nach weiteren Toren durch Michael Olise (73.) und Kane (86./Elfmeter) fiel der Sieg vor 16.667 lautstarken Fans am Ende verdient hoch aus. Trotzdem: ein typischer Pokalabend, der auch Kräfte gekostet hat.

Überraschend allerdings kam all das nicht: Eine auf fünf Positionen veränderte Elf im Vergleich zum 5:1 gegen Stuttgart hatte sich laut Keeper Jonas Urbig auf „kompaktes Verteidigen und gefährliche Konter“ eingestellt, Kompany vor Anpfiff vor „Arroganz“ gewarnt. Und dass Osnabrück – wie von Max Eberl prognostiziert – „brennen“ würde, merkte man sofort. Die Choreografie: beeindruckend; die Lautstärke: ohrenbetäubend; der Start: fulminant. Denn tatsächlich dauerte es keine fünf Minuten, bis Urbig den Ball aus dem eigenen Kasten holen musste.

Tah, für Upamecano in die erste Elf rotiert, verlor nach einem Befreiungsschlag den entscheidenden Zweikampf – und Meißner zog aus 30 Metern einfach ab. Ein Sonntagsschuss am Mittwochabend, Osnabrück stand Kopf, die Bayern hingegen mussten sich schütteln und brauchten, ehe sie erstmals gefährlich wurden. Viel versuchte Kompanys Elf über die rechte Seite von Michael Olise, wenngleich der VfL die Stars auf den Außen doppelt bewachte. Mit einem Pass ausgehebelt werden konnte die Abwehr der Gastgeber dann durch einen der vielen Chipbälle von Joshua Kimmich aus dem Halbfeld. Kane ließ sich nicht lange bitten und netzte aus kürzester Distanz zu seinem ersten Saisontreffer ein. Die wilde Sturzfahrt: erst einmal gestoppt.

Das Momentum kippte, auf den Rängen wurde es leiser, auf dem Platz übernahmen die Bayern die Initiative. Und dass man gegen die individuelle Klasse als Zweitligist manchmal machtlos ist, zeigte die Entstehung des 2:1. Balleroberung durch Bischof, Olise auf Diaz, der scheiterte zwar, aber Bischof war beim Nachschuss zur Stelle (24.). Es gab weitere Szenen wie diese, aber es gab auch welche auf der anderen Seite. Sicher konnten sich die Bayern, in denen Startelf-Debütant Saibari und Olise vergaben, zur Pause nicht sein – auch wegen VfL-Keeper Krumrey.

Nach der Pause lag das 3:1 in der Luft, fiel aber erst in der 73. Minute. Der eingewechselte Karl leitete auf Olise weiter, dessen Heber im Netz landete. Kane machte vom Punkt den Deckel drauf. Kein Tag für „Ein Hoch auf uns“, aber immerhin: Der VfL-Zug hatte Bremsen.H. RAIF, V. TSCHIRPKE

Artikel 9 von 11