Sport als Nebensache: Influencer im Tennis. © Wenig/dpa
New York – Mitten im Spiel von Naomi Osaka johlt plötzlich eine Gruppe Zuschauer auf den teuren Plätzen der Tribüne bei den US Open. Die Männer und Frauen posieren für Videos und rufen laut Richtung Kamera, ein helles Licht leuchtet den VIP-Bereich aus, der Tennis-Star fühlt sich beim Aufschlag in seiner Konzentration gestört.
In den sozialen Medien geht diese Szene viral – und wirft ein Schlaglicht auf ein Phänomen, das bei den US Open an den ersten Turniertagen heiß diskutiert wird: Influencer sind bei dem Grand-Slam-Turnier allgegenwärtig. Welchen Einfluss hat das auf den Sport?
„Es ist echt hart, solche Videos zu sehen, wenn die Leute Fotos machen und Selfie-Lichter benutzen“, kritisiert die amerikanische Weltranglistendritte Jessica Pegula und fordert mehr Rücksicht. „Die Leute versuchen, da unten aufzutreten, es ist ihr Beruf, ihr Job. Das wirkt irgendwie respektlos.“
Im Vorjahr gaben die Turnierorganisatoren erstmals Akkreditierungen an sogenannte Content Creatoren aus, die Zahl verdoppelte sich bei dieser Auflage auf rund 100. Man will neues Publikum erschließen. Rund um den Tenniszirkus haben sich Influencer etabliert, die mit ihren Inhalten zum Sport bekannt sind. Als Beispiele nennt Eva Lys die Amerikanerinnen Paige Paul, Ehefrau von US-Profi Tommy Paul, und Morgan Riddle, Ex-Freundin von Taylor Fritz, die dem Sport aus ihrer Sicht „Reichweite“ bringen. Beide haben zusammen mehr als 1,8 Millionen Follower alleine bei Instagram. Auch die deutsche Spielerin Eva Lys selbst kennt die Kraft der sozialen Medien, teilt viele Aspekte ihres Alltags als Tennisspielerin via Instagram. Knapp 400.000 Menschen folgen der Weltranglisten-98..
Eine Entwicklung, die die Organisatoren der US Open in ihrer Wachstumsstrategie begrüßen dürften. Die Aktivitäten abseits des Platzes werden in New York noch weiter ausgebaut. „Wir werden zahlreiche Möglichkeiten für Spieler, Kinder und Erwachsene bieten, herzukommen und verschiedenste Erfahrungen zu sammeln“, sagte Craig Tiley, Chef des verantwortlichen US-Verbands. Die US Open sollen das „Tennis-Disneyland“ werden, kündigte er an. Schlüssel zur Kommunikation sind auch Influencer als Multiplikatoren, alleine 15 bis 20 von ihnen sollen Berichten zufolge Inhalte direkt für die US Open kreieren.
Disneyland? „Dieses Wort mag ich nicht“, sagt der frühere US-Open-Champion Daniil Medwedew. „Es ist immer noch Sport, in dem wir auf eine Art um unser Leben kämpfen.“DPA