Auch wenn eingefleischte Löwen es nicht verstehen können: Es gibt diese Fans, die eigentlich für einen anderen Verein schwärmen und trotzdem international dem FC Bayern die Daumen drücken. Der Grund dafür ist simpel wie logisch unter dem Stichwort „sportlicher Patriotismus“ einzuordnen – und er führt dazu, dass immerhin die Frauen des FC Bayern dem deutschen Super-GAU in der Königsklasse ein Fünkchen Gutes abgewinnen können: Wenn sie Ende September als einziges deutsches Team in die Ligaphase der Champions League starten, werden sie so viele Anhänger wie nie zuvor haben.
Das Ziel der Dauermeisterinnen aus München ist klar: nach einem Abo auf den nationalen Titel und zwei Double-Gewinnen hintereinander auch auf der großen Bühne zu einem echten Titelanwärter zu werden. Er steht und ändert sich auch nach den bitteren Ereignissen und dem Doppel-Aus von Wolfsburg und Frankfurt in der Qualifikation am Mittwochabend nicht. Die historisch schlechte Bilanz aber rückt den in der Transferperiode ohnehin ernüchterten deutschen Frauenfußball generell in ein noch schlechteres Licht – und das kann bzw. wird auch an der Lokomotive aus München nicht spurlos vorbeigehen.
Auch wenn schon viel passiert ist, junge Mädels den Bundesliga-Spielerinnen nacheifern, viele Familien den Besuch im Frauenstadion vorziehen: Die infrastrukturelle wie finanzielle Lücke zu den großen Clubs in England, Spanien und Frankreich wird immer größer. Zufall ist es nicht, dass zum einen zu wenige starke Spielerinnen „made in Germany“ hervorgebracht werden und zum anderen hochkarätige die Bundesliga reihenweise verlassen. Was es daher braucht, ist ein Schub auf allen Ebenen: Mut in Vereinen, bei Sponsoren und Medienhäusern. Oder anders gesagt: Geld, schnelle Entscheidungen, noch schnellere Umsetzung.
Auch da sind die Bayern – siehe Umzug in den Sportpark Unterhaching – vorbildlich. Doch das wird nicht reichen. Es ist, um bei der Lokomotive zu bleiben, allerhöchste Eisenbahn. Sonst wird auch die Heim-EM 2029 zum Trauerspiel.