Die Rückkehr der Russen

von Redaktion

Comeback unter neutraler Flagge wird die Eiskunstlauf-Welt verändern – Premiere am Wochenende in Tokio

Rückkehr: Alexandra Trusova feiert ihr Comeback. © IMAGO

Die Jugend macht es vor: Sofia Dzepka. © Imago

Solidarität: Gumenik und Malinin im Training. © Instagram

Neue Rivalen: Minerva Hase und Nikita Volodin. © Josek/dpa

Tokio – Russische Eiskunstläufer dürfen zurück auf die Wettkampfbühne – als neutrale Athleten, ohne Flagge und sofern sie einen Persilschein, also die Bestätigung eines neutralen Status bezüglich Putin und des Ukrainekriegs, bekommen. Das hat die Internationale Eislaufunion ISU im Juli beschlossen. Die schnelle Zulassung für Kamila Valieva, die vier Jahre wegen Dopings gesperrt war und auf Fotos mit Vladimir Putin zu sehen ist, sorgte bereits für Aufregung.

Die Chancen auf Podiumsplätze ändern sich jedenfalls diese Saison. Den Beweis dafür gab es im August beim Junioren-Grand-Prix in Xi‘An: Das Gold im Herren- und Damen-Einzel sowie im Paarlauf ging direkt an Russen, darunter den neuen Star Sofia Dzepka. Nun steht der erste Challenger-Wettbewerb bevor: Zum Kinoshita Cup am Wochenende in Tokyo tritt eine ziemlich potente Riege aus Moskau und Sankt Petersburg an. Interessant dürfte der Auftritt von Vierfach-Springerin Alexandra Trusova werden. Sie will ihr Comeback nach der Familiengründung feiern und muss gegen Japans junge Elite beweisen, dass sie mithalten kann. Außerdem zeigt Olympia-Teilnehmer Petr Gumennik, was die russischen Männer inzwischen gelernt haben. Die Paarläufer Alexandra Boikova und Dimitri Kozlovski übten während des Banns den vierfachen Wurf-Salchow.

Im Paarlauf dürfen die Deutschen Minerva Hase und Nikita Volodin, Weltmeister von 2026, allerdings aufatmen: Ausgerechnet dem stärksten russischen Paar, Anastasia Mishina und Aleksandr Galliamov, wurde der neutrale Status verweigert. Sie bleiben zu Hause. Da die Japaner Riku Miura und Ryuichi Kihara aufgehört und die Italiener Sara Conti und Niccolo Macii sich getrennt haben, bleiben für die Berliner nur noch die Georgier Anastassia Metelkina und Luka Berulava als Gegner – und eben Boikova/Kozlovski. Ehrgeizig sind Hase und Volodin allemal. „Das Ziel ist es, weiter mit den besten Paaren mitzuhalten“, sagte Hase im Mai, als sie und Volodin verkündeten, dass sie bis Olympia 2030 weiterlaufen wollten. „Ich glaube, wir haben unser Bestes noch nicht gezeigt – sowohl läuferisch als auch in Bezug auf Elemente und Präsentation.“ Ein zweites Mal Gold bei der Weltmeisterschaft in Finnland wäre drin.

Die internationale Konkurrenz nimmt die Rückkehr der Russen entspannt auf. Weltmeister Ilia Malinin (USA) trainierte Anfang August sogar zusammen mit Gumennik in Kalifornien bei Raffael Arutyunian. „Als jemand, der Eiskunstlauf liebt, will ich die russischen Läufer performen sehen“, sagte er im Mai dem Figure Skating Life Magazine. „Ich finde es nicht gut, wenn Politik und Sport vermischt werden.“

Auch beim Junioren Grand Prix in Xi‘An zeigten die Herren Solidarität. Als Gold-Gewinner Lew Lazarew ohne Flagge auf dem Podium stand, legten der Zweite Yanhao Li aus Neuseeland und der Dritte Dayia Ebihara ihre Flaggen ebenfalls nieder. Sie wollten gleich und unpolitisch neben Lazarew stehen.ISABEL WINKLBAUER

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