Gruß aus der Kurve: Bayerns Empfang in Osnabrück – zu Beginn entsprach er der Wahrheit. © Kröger/IMAGO
Qualität setzt sich durch: Olise und Co. behielten trotz Pokal-Atmosphäre und Rückstand einen kühlen Kopf. © Ossowski/Imago
Osnabrück – Es braucht in dieser Saison schon einiges, um Joshua Kimmich zu überzeugen: Nach den eigentlich starken Leistungen in den ersten zwei Pflichtspielen – 2:1 beim Supercup gegen Dortmund, 5:1 im Ligastart gegen Stuttgart – drückte der Vizekapitän im Nachgang auf die Euphoriebremse und zeigte sich kritisch gegenüber den eigenen Auftritten. Nach dem 4:1 (2:1) in der ersten DFB-Pokalrunde in Osnabrück war dann aber selbst Kimmich zufrieden: „Wir sind schon stabiler in dem, was wir tun, und verlässlicher in dem, wie wir spielen“, erklärte der 31-Jährige mit Blick auf den denkbar unglücklichen Start in die Partie.
Angeheizt von einer sehenswerten Achterbahn-Choreografie brachten die Hausherren den FC Bayern nämlich tatsächlich ins Schleudern und trafen früh per Traumtor aus 30 Metern (5. Minute). Im Anschluss wurde die Stimmung noch hitziger, die Fans zündeten Pyros, die Osnabrücker witterten ihre Chance – doch Kimmich und Co. blieben ruhig und spielten ihr Spiel routiniert runter. „Wir haben gute Prinzipien und gute Gewohnheiten, die wir auf den Platz bringen. Das merkt man, egal, gegen wen wir spielen. Bei uns ist kein Spiel locker, wir nehmen jedes Spiel ernst. Deswegen sind wir heute marschiert und haben verdient gewonnen.“
Auch Christoph Freund betonte nach der Partie: „Die Mannschaft ist extrem gefestigt. Man spürt immer, dass sie wissen, was sie machen, und nicht an sich zweifeln“, so der Sportdirektor. „So kleine Rückschläge hauen uns nicht aus der Bahn. Das hat sie sich in den letzten ein, zwei Jahren erarbeitet.“
Und so heißt das Zauberwort dieser Tage vor allem Stabilität. Noch vor drei Jahren, als man in der zweiten Runde an Saarbrücken scheiterte, ging ein ähnlicher Pokalabend nämlich ganz anders aus. Und selbst vergangene Saison, als man historisch stark in der Liga abschnitt, den Pokal gewann und in der Champions League erst im Halbfinale an Paris scheiterte, wirkte das Team noch etwas weniger gefestigt: Damals zog man in der ersten Runde bei ähnlicher Kulisse in Wiesbaden (3:2-Sieg, Kane-Tor als Rettung in der Nachspielzeit) mit deutlich größeren Problemen in die nächste Runde ein.
Dazu kommt, dass aufgrund der Neuzugänge Nathaniel Brown und Ismael Saibari noch mehr Flexibilität im Kader steckt, die potenzielle Ausfälle oder Formlöcher auffangen soll. Am Mittwoch lief Brown erstmals als Linksverteidiger auf und Saibari auf der Zehn; womöglich startet beim Gastspiel auf Schalke am Samstag (18.30 Uhr/Sky) wieder Alphonso Davies hinten links, während Brown nach vorn rückt.
Gleiches gilt für die Doppelsechs, auf der Tom Bischof ein Bewerbungsschreiben für mehr Spielzeit abgab, während Aleksandar Pavlović wieder in die Startelf rücken dürfte. Viel wichtiger ist für Trainer Vincent Kompany aber ohnehin, dass man auch in der Veltins Arena und bei den kommenden Aufgaben in der Champions League (Bodø/Glimt) und der Liga (Elversberg vor der Länderspielpause) einen kühlen Kopf bewahrt. Denn auch die nächsten Gegner würden Bayern gern in die Achterbahn schicken. Nicht nur zur Wiesn-Zeit.VINZENT TSCHIRPKE