VUELTA

Bergaufsprint auf der Achterbahn

von Redaktion

Supertalent Marco Brenner landet den ihm lange vorhergesagten großen Sieg – 2027 zur Tour?

Großer Tag für Marco Brenner. © Bernd Weißbrod/dpa

Sierra de la Pandera – Routiniert stand Marco Brenner mit einer Flasche Sekt beim Abendessen und hielt eine Rede an das gesamte Team. Auch diesen Part meisterte der deutsche Youngster mit Bravour, dabei hat er darin noch gar keine große Erfahrung. Schließlich hatte er wenige Stunden zuvor gerade seinen ersten Etappensieg bei einer Grand Tour geholt. Der 24-Jährige gewann bei der Vuelta die Bergankunft in Sierra de la Pandera – und sorgte für den ersten deutschen Sieg seit Lennard Kämna 2023.

„Man lebt für Tage wie diesen. Es gibt nicht viele Radsportler, die bei einer großen Rundfahrt eine Etappe gewinnen“, sagte Brenner. „Ich habe immer gewusst, dass, wenn alle Dinge gut zusammenkommen, ich auch gute Resultate erzielen kann.“

Auf der 14. Etappe fügte sich für den gebürtigen Augsburger endlich alles. In einer großen Ausreißergruppe war er unterwegs, am Schlussanstieg spielte er dann seine Kletterqualitäten aus und gewann den Bergaufsprint gegen den Kolumbianer Santiago Buitrago. Tags darauf gewann Klassiker-Spezialist Wout van Aert die 15. Etappe.

Zurück zu Brenner: Es war ein Sieg, der ihm schon vor Jahren von den Experten prophezeit worden war. Mit 18 kam er in die World Tour und unterschrieb seinen ersten Profivertrag bei DSM. Er galt als der neue Jan Ullrich. Mit einer Größe von 1,81 Metern und einem Gewicht von 59 Kilogramm brachte er beste Maße mit. Im Nachwuchsbereich hatte er schon zahlreiche Meistertitel im Zeitfahren und auf der Straße geholt. Womöglich kam der Sprung zu den Profis zu früh.

Erst mit seinem Wechsel 2024 zum Tudor-Team unter der Regie des früheren Klassiker-Königs Fabian Cancellara nahm seine Karriere Fahrt auf. Im selben Jahr gewann er in Bad Dürrheim die deutsche Meisterschaft, als er am letzten Anstieg einem gewissen Florian Lipowitz davonfuhr.

Doch Brenner wurde immer wieder zurückgeworfen. 2025 stürzte er beim Giro d‘Italia schwer, als er über die Leitplanke ging. Ähnlich glich seine bisherige Vuelta einer Achterbahnfahrt. Mit großen Ambitionen nach seinem Gesamtsieg bei der Polen-Rundfahrt angereist, lief erst einmal alles schief. „Ich hatte gesundheitliche Probleme in der ersten Woche, und dann kam auch noch der Sturz“, sagte Brenner. Auf der 12. Etappe versuchte er es bereits in einer Ausreißergruppe. Allerdings ohne Erfolg.

Nun sorgte er für den ersten Etappensieg in der Geschichte des jungen Schweizer Rennstalls. Dafür war eigentlich der zweimalige Weltmeister Julian Alaphilippe vorgesehen, doch der Franzose beendete nach einer ernüchternden Tour seine Karriere. Die Hoffnungen ruhen auf Brenner, der seinen Vertrag bis 2030 verlängert hat. Im nächsten Jahr könnte er bei der Tour de France sein Debüt geben. „Marco ist ein hervorragendes Beispiel für die harte Arbeit, das Vertrauen in die Menschen und das Engagement, die wir in alles stecken, was wir tun“, sagte Cancellara.DPA

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