„Ich nehme es mit jedem in der NHL auf“

von Redaktion

Wie Eishockey-Profi Nico Sturm an seiner Fitness arbeitet – auch mentaler Abstand gehört dazu

Jetzt Ehemann: Nico mit Taylor Sturm. © Instagram

München – Der Gewinn des Stanley Cups ist das höchste Ziel für Eishockeyprofis. Nico Sturm brachte die Riesentrophäe bereits zweimal in seine Heimatstadt Augsburg, er gehörte 2022 zum siegreichen Team der Colorado Avalanche und 2025 dem der Florida Panthers. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 2023 Vizeweltmeister. Sturm (31) ist kein schillernder Star, sondern ein Rollenspieler, der seinen Körper schindet. Wie lange noch?

Hallo Nico Sturm, haben Sie den Sommer wieder mit Ihren berühmten Vier-Stunden-Einheiten in Augsburg im Fitnesscenter verbracht?

Diesen Sommer war ich nur zwei Wochen in Augsburg. Meine Familie kam rüber nach Minneapolis, ich habe geheiratet.

Seit einem Jahr spielen Sie wieder für die Minnesota Wild, wo 2019 Ihre NHL-Karriere begann, die Familie Ihrer Frau lebt und Sie sich niedergelassen haben. Der Vertrag läuft noch eine Saison. Anzunehmen, dass Sie verlängern wollen.

Das wäre natürlich super fürs Private. Aber unterschrieben habe ich in Minnesota nicht deswegen, sondern weil sich die Möglichkeit bietet, jedes Jahr um den Stanley Cup mitzuspielen. Es ist uns klar, dass das ein Business ist, und wenn das Management einen Weg zum Erfolg sieht, der mich nicht beinhaltet, muss ich damit auch klarkommen. Im Moment aber ist es ein Super-Fit.

Wie geht‘s denn gesundheitlich? Sie haben schon einige Eingriffe hinter sich.

Derzeit geht es mir echt gut. Es war hart, vorige Saison die ersten acht Wochen wegen eines Bandscheibenvorfalls zu verpassen. Ich fand, dass ich dann immer besser reinkam und am Ende das beste Playoff-Eishockey meiner Karriere gespielt habe. Diesen Sommer habe ich die Vorbereitung etwas umgestellt, mit einem privaten Pilates-Coach zweimal die Woche gearbeitet, um den Becken- und Rückenbereich zu stabilisieren. Eishockey ist leider ein ungesunder Sport für den Rücken – und ich als Bullyspieler bin ständig in dieser gebückten Haltung. Ich bin kein alter Mann, aber 31 und muss Prophylaxe betreiben, mal eine Massage mehr machen. Die „accessory work“ fürs Weichgewebe wird immer wichtiger, Training spielt sich nicht nur im Gym und auf dem Eis ab. Aber fitnessmäßig fühle ich mich so gut wie noch nie und bin selbstbewusst, zu sagen: Was den Fitnesszustand angeht, nehme ich es mit jedem in der NHL auf. Teil des Mythos Stanley Cup ist auch: Der Körper muss einfach wehtun. Wie wir mit den Hürden der Belastung umgehen, das hebt uns von anderen Sportarten ab.

Sie sind einer, der auch mal „gescratcht“, also nicht aufgestellt wird, Sie wurden auch schon einige Male transferiert, was meist recht plötzlich geschieht…

Es ist angenehmer, wenn man ein Spieler wie Tim Stützle oder Leon Draisaitl ist und weiß: Die nächsten sieben, acht Jahre ist man am selben Ort. Andererseits hat es mich als Spieler geprägt: Ich bin nicht der Typ, der solche Langzeitverträge bekommt. Es gibt die härteren Zeiten mit Umzügen, die einen nicht nur selbst, sondern auch die Familie betreffen. Aber ich bleibe dankbar, weil ich in der besten Liga der Welt spielen darf.

Wie gehen Sie mit dem ständigen mentalen Druck um?

Früh in meiner Karriere war NHL 24/7. Wenn ich nach Hause kam, habe ich mir das Spiel noch mal ganz angeschaut und nie das Gefühl gehabt, dass ich mental herunterfahren kann. Heute will ich auch mal kein Eishockey auf dem Fernseher haben. Ansonsten versuche ich, viel Zeit draußen zu verbringen. Und sobald es schön ist, sitze ich draußen auf dem Balkon. Was mir auch wichtig ist: Jeden Sommer einen Trip mit meinen beiden besten Kumpels aus Augsburg zu unternehmen, wir waren schon in der Karibik und in Griechenland. Ich verdiene gutes Geld, brauche aber nicht das Neueste, Teuerste, Fetteste zu kaufen, sondern teile gerne. Die Seele baumeln lassen. Cocktails und Bier trinken, mal nicht über Eishockey reden – die schönste Zeit des Jahres.

INTERVIEW: GÜNTER KLEIN

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