Ursachenforschung bei Fiedler (li.) und Calderon. © Hoermann/Imago
Bei Flanken gegen 1860 brennt’s häufig lichterloh. © Hafner/Imago
München – Es lief die 94. Minute in Aubstadt am 18. August. 1860 hatte bereits komfortabel mit 2:0 und 3:1 geführt, die Hausherren konnten jedoch zweimal verkürzen. Eine letzte Flanke segelte in den Löwen-Strafraum. Die Defensive um Keeper Vitus Eicher war nicht auf der Höhe, der Ball klatschte gegen die Latte. Auswärtssieg für die Sechzger.
Vergangenen Freitag in Vilzing verließ das Glück jedoch die Sechzger. Wieder segelte mit der letzten Aktion eine Flanke in den Strafraum, wieder war die 1860-Abwehr unsortiert. Markus Ziereis traf zum 2:2 und seinen Ex-Club mitten ins Herz. Blankes Entsetzen zeichnete sich auf den Gesichtern der Löwen ab. Und die große Frage nach dem „Warum“ blieb. Warum passiert uns das immer wieder nach demselben Muster?
„So ein Gegentor darf uns einfach nicht passieren“, schimpfte Innenverteidiger Felix Weber nach dem Abpfiff. Der 31-Jährige hatte 93 Minuten einen blitzsauberen Auftritt hingelegt, zusammen mit Nebenmann Lasse Faßmann die absolute Lufthoheit besessen. In der 94. Minute aber standen beide Löwen viel zu weit weg von Torschütze Ziereis. Schon in den Minuten zuvor gerieten die Sechzger immer mehr unter Beschuss. Doch das Abwehrbollwerk hielt lange Zeit, ehe es dann doch noch fiel. „Irgendwann haben sie uns hinten reingedrückt. Das ist dann eklig. Aber du musst es halt einfach dann zu Ende bringen“, betonte Weber.
Im sechsten Spiel der Regionalliga Bayern musste 1860 in Vilzing bereits die vierte Punkteteilung hinnehmen (Liga-Höchstwert). Gegentore nach Flanken gab es dabei bereits reichlich: eines in Schweinfurt, zwei gegen Augsburg II, zwei in Aubstadt und nun eines in Vilzing. Besonders auffällig: Häufig kassieren die Löwen diese Art der Treffer in den Schlussminuten der Partie.
Auch Trainer Alper Kayabunar wird sich der Problematik bewusst sein. Nach dem Abpfiff in Vilzing erlebte man den 40-Jährigen so wütend wie nie zuvor in dieser Saison. „Wir müssen diese letzte Aktion besser wegverteidigen. Wir wissen, wie stark Vilzing in der Box ist. Es kann nicht sein, dass der Spieler in den letzten Sekunden so frei zum Kopfball kommt. Das müssen wir besprechen.“
Dass die Mannschaft der Löwen definitiv entwicklungsfähig ist, zeigt jedoch ein Mutmacher in der Offensive. Im Gegenpressing wird Sechzig Woche für Woche stärker, siehe den Führungstreffer in Vilzing durch Niederlechner. Klappt es nun auch mit der Konzentration bis zum Spielende, werden sich die Siege zwangsläufig einstellen – zu groß ist die individuelle Qualität. Nächste Bewährungsprobe: am Freitag beim Heimspiel gegen Schwaben Augsburg.MARCO BLANCO UCLES