ZUM TAGE

Auch dem Sport droht die Zerrissenheit

von Redaktion

Nach dem Wahlerfolg der Rechten

Die Mär, dass Sport unpolitisch sei und zu sein habe, ist spätestens mit der Fußball-WM in Nordamerika abgeräumt. Eigentlich ja schon mit der Fifa-Peace-Price-Nummer zwischen Gianni Infantino und Donald Trump. Der Sport positioniert sich bei der Politik, weil er glaubt, es gebe immer Gelegenheiten, wo er ihre Fürsprache brauche. Und die Politik hat längst erkannt, dass der Sport über Vereine und handelnde, oft prominente und beliebte Personen, Eintrittskarten in Gesellschaftsschichten ausstellt, in die Parteien sonst schwerlich vordringen dürften.

Es wird noch viel weitergehen mit dem Versuch der Einflussnahme. Für Deutschland darf man das als gesichert annehmen. Eine im Osten starke und im Westen immer stärker werdende AfD wird alles daran setzen, ihre Agenda auch in den Stadien und den Vereinsheimen zu implementieren. Bisher waren die Aktivitäten noch überschaubar: Ein lokaler AfD-Hinterbänkler, der sich vor ein paar Jahren ein Selfie mit dem Hertha-Nationalkicker Marvin Plattenhardt erschlich, Timo Chrupalla, der sich beim Eishockey-Zweitligisten Lausitzer Füchse als VIP feiern lässt, in einigen Fußballstadien in den neuen Ländern geschmacklose Fan-Choreografien, auf denen, wie in Rostock, Übergriffe der 90er („Baseballschlägerjahre“) auf Geflüchtete gefeiert wurden.

Der deutsche Sport in seiner Gesamtheit präsentiert sich bislang sehr stabil: Vielen Ultraszenen (wie etwa der des FC Bayern) gelingt es, Rechtsradikale komplett fernzuhalten. Clubs und auch der DFB mit etwa seinem Julius-Hirsch-Preis wahren das Gedenken an die finsterste Zeit der deutschen Geschichte und reagieren mit richtiger Resolutheit, wenn es in ihrem Umfeld zu rassistischen Vorfällen kommt. Möge es so bleiben.

Doch besorgt müssen wir nach Sachsen-Anhalt blicken. In Magdeburg gibt es einen populären Fußball- und Handballclub sowie einen weltmeisterlich guten Schwimmstützpunkt. Wie werden sie Vereinnahmung begegnen, wie wird es ihnen ergehen in einem AfD-regierten Land? Denn einfach heraushalten wird in Zeiten wie diesen nicht gelingen.

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