Zeit, um noch in die Bar zu gehen

von Redaktion

Alexander Zverev gewinnt seine Spiele nun schneller – gut fürs Viertelfinale

Geschafft: Van de Zandschulp. © LEONARDO MUNOZ/AFP

Mit Wucht und wilder Entschlossenheit: Alexander Zverev setzte sich in drei Sätzen gegen die Italiener Luciano Darderi durch. © Frank Franklin II/dpa

New York – Ungläubig zeigte Alexander Zverev auf seine Uhr am linken Handgelenk. Erstmals bei diesen US Open beendete der Topfavorit sein Abendmatch vor Mitternacht und stellte mit dem souveränen Viertelfinaleinzug seine Titelform unter Beweis. „Ich weiß nicht, was ich mit mir anfangen soll. Ich könnte auf den Trainingsplatz oder in eine Bar gehen“, sagte Zverev nach dem 6:2, 6:2, 7:6 (7:3) über den Italiener Luciano Darderi im Siegerinterview und beschwichtigte die johlenden Zuschauer: „Leider war das ein Scherz, entspannt euch!“

Statt nach ein oder sogar zwei Uhr wie bei den vorigen drei Siegen verwandelte Zverev seinen Matchball im Arthur Ashe Stadium nach 2:30 Stunden nun schon um 23.47 Uhr. „Luciano hat einen fast perfekten dritten Satz gespielt und ich habe ihn trotzdem gewonnen“, schwärmte Zverev über seine Vorstellung. „Das ist für mich ein super Zeichen.“

Auch der weitere Weg durchs Turnier dürfte dem French-Open-Sieger gefallen. Sowohl Viertelfinalgegner Botic van de Zandschulp aus den Niederlanden als auch die potenziellen Halbfinalkontrahenten Karen Chatschanow aus Russland und der Belgier Alexander Blockx sind krasse Außenseiter. Erst im Finale am Sonntag könnte ein großer Name wie der Spanier Carlos Alcaraz warten.

Die Frage nach der Anfangszeit des Endspiels erwischte ihn jedoch auf dem falschen Fuß. „Ist das Finale um 14.00 Uhr?“, gab Zverev erstaunt auf die Frage zurück, ob er sich angesichts des Spiels um den Titel am frühen Nachmittag nicht auch mal vorher einen früheren Auftritt wünschen würde. „Wenn ich jedes Mal bis 2 Uhr morgens spiele, ist es schwierig in einen Rhythmus zu kommen, wo man früh spielt. Bis zum Finale habe ich noch ein paar Matches.“

Das Viertelfinale gegen van de Zandschulp werde am Mittwoch wieder in der sogenannten Nightsession von New York stattfinden, äußerte Zverev und setzt darauf, dass er diesen Wunsch erneut von der Turnierleitung erfüllt bekommt. Das Arthur Ashe Stadium unter Flutlicht und der Hamburger – das scheint dieses Jahr eine besondere Verbindung zu sein.

„Das ist zwar nicht mein Court“, sagte Zverev mit Verweis auf die Legenden Roger Federer und Pete Sampras, die im größten Tennisstadion der Welt zusammen zehn Titel gewonnen haben. „Aber es fühlt sich so an, als ob ich diesen Platz von elf bis zwei Uhr gemietet habe.“

Zverev setzt in New York seine starke Saison fort: Halbfinale bei den Australian Open, erster Titel bei den French Open, Endspielniederlage in Wimbledon, nun das Viertelfinale. Insgesamt feierte er seinen 22. Sieg der Saison bei einem Grand-Slam-Turnier und stellte damit den deutschen Rekord von Boris Becker aus dem 1989 ein. Erstmals überhaupt in seiner Karriere hat Zverev in allen vier großen Turnieren eines Jahres die Runde der besten Acht erreicht.

Der Hamburger geht nun auch als großer Favorit in das Duell mit van de Zandschulp. Der Weltranglisten-70. gewann nach großem Kampf gegen den Franzosen Arthur Gea in fünf Sätzen – es war das viertlängste Match der US-Open-Geschichte. Auch in der vorigen Runde war van de Zandschulp über die komplette Distanz gegangen und dürfte am Mittwoch entsprechend ausgelaugt sein. „Ich kann noch stehen“, sagte der Niederländer im Siegerinterview stöhnend.

Auch Zverev hatte für seine ersten beiden Siege in diesem Turnier jeweils fünf Sätze und insgesamt neuneinhalb Stunden gebraucht. Inzwischen spart er Kräfte.DPA

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