Gelbe Wand, nur anders: Bodö/Glimt kommt als Einheit – auf dem Platz wie daneben. So wird man zum Favoritenschreck. © Varfjell/dpa
Kein Entkommen: Bodo kann es spielerisch, ist aber auch stark im Gegenpressing. © Stoutjesdijk/EPA
München – Wie einst ihre Wikinger-Vorfahren fallen sie über die (Fußball)-Welt her: „Den Gule Horde“ – die Gelbe Horde, wie der norwegische Club FK Bodö/Glimt aus der Küstenstadt Bodö von seinen Fans genannt wird – plünderte sich im Vorjahr durch die Champions League und hinterließ bei den ganz Großen nichts als hängende Köpfe. Manchester City, Atlético Madrid, Inter Mailand – sie alle wurden Opfer des Überfalls aus dem hohen Norden. Erst im Achtelfinale war für Glimt gegen Sporting Lissabon damals Endstation. Am Donnerstag (21 Uhr/DAZN) nun sucht sich die Horde ihr nächstes Ziel: Der FC Bayern empfängt Bodö in der Champions League.
Einer, der weiß, wie sich das anfühlt, gegen Bodö zu verlieren, ist Sebastian Griesbeck (35). Der gebürtige Ulmer steht seit 2024 bei Start Kristiansand unter Vertrag – und kickte noch im Mai selbst gegen den Club. Und was der ehemalige Spieler vom 1.FC Heidenheim und Eintracht Braunschweig von seinen zwei Duellen (1:4 und 0:5) gegen den nördlich vom Polarkreis gelegenen Verein zu berichten hat, lässt für die Bayern nichts Gutes erahnen. „Man muss sehr viel leiden gegen sie“, sagt Griesbeck gegenüber unserer Zeitung. „Ich habe schon gegen viele gute Mannschaften gespielt in meiner Karriere. Aber Bodö ist in der Hinsicht schon ganz weit oben einzuordnen.“
Was den Verein so gut aussehen lässt, führt Griesbeck zunächst auf einen simpel wirkenden Fakt zurück: die Abgestimmtheit im Team. „Sie sind eine sehr schlaue Mannschaft, da weiß jeder, was der andere tut. Das ist ihre größte Stärke“, erklärt der Innenverteidiger. Dass die Norweger technisch gut ausgebildet und kombinationsstark sind, hat sich längst herumgesprochen. Besonders beeindruckend aber: Trotz der Underdog-Rolle zieht sich die Mannschaft von Trainer Kjetil Knutsen auch gegen große Gegner nicht durchgängig in die eigene Hälfte zurück. „Ich gehe schon davon aus, dass sie ein bisschen auch ihr Spiel durchdrücken wollen“, warnt Griesbeck – und schickt gleich eine Mahnung an die Bayern-Stars hinterher: „Wenn Bayern nicht ganz da ist von Beginn an, dann wird Bodö schon auch seine Ballbesitzphase haben, weil sie das sehr gut können.“ Besondere Vorsicht sei zudem nach eigenen Ballverlusten geboten: „Die Konterabsicherung ist ein wichtiges Ding, weil Bodö sehr stark im Gegenpressing und im Umschaltspiel ist.“
Insgesamt komme das Team zwar über das Kollektiv. Dennoch stechen drei Spieler heraus. Neben Linksaußen Jens Petter Hauge, der sein Geld zwischendurch auch bei Eintracht Frankfurt und der AC Mailand verdiente, sind das primär Antreiber Sondre Auklend (Griesbeck: „klein, wendig, technisch stark“) und 1,90-Meter-Sturmtank Andreas Helmersen. Er darf seit Sommer in vorderster Front für Kasper Høgh ran – der Senkrechtstarter der Vorsaison wechselte für 12,85 Millionen Euro zu Celtic Glasgow. Auf Helmersen könnte eine Schlüsselrolle zukommen: „Bodö spielt gerne um den Strafraum herum und versucht dann mit Flanken, den Strafraum zu penetrieren“, erklärt Griesbeck. Ob die Bayern dagegen besser gewappnet sind als City, Atletico und Inter?JOHANNES OHR