Das 1:0 war der Wegbereiter: Lance Fiedler (l.) durfte sich feiern lassen. © Feiner/Imago
München – Alper Kayabunar war die Erleichterung ins Gesicht geschrieben, als Schiedsrichter Andreas Dinger am Freitagabend in Giesing abpfiff. Der Sechzig-Coach ballte die Fäuste: Im fünften Pflichtspiel der Löwen im Grünwalder Stadion in dieser Saison konnte 1860 erstmals einen Sieg bejubeln. Mit 3:0 schickten die Sechzger die Schwabenritter wieder zurück nach Augsburg. „Der TSV ist wieder da“, schallte es von den Zuschauerrängen.
Vor der Partie hatte Kayabunar seine Heimsieg-losen Spieler in die Pflicht genommen. Die Kernforderungen des 40-Jährigen: „Wir müssen weniger Gegentore bekommen und vorn das Spiel killen!“ Den gewünschten Killerinstinkt bewiesen dann aber nicht etwa Florian Niederlechner oder Michael Eberwein, sondern Linksverteidiger Lance Fiedler. Der 19-Jährige, unter der Woche mit einem neuen Vertrag bis 2028 ausgestattet, hatte seine Seite defensiv im Griff und sorgte offensiv für die Glanzmomente im ersten Durchgang.
Keine zehn Minuten waren gespielt, als Raphael Ott die Augsburger Defensive energisch unter Druck setzte – mit Erfolg. Der Ball gelang zu Fiedler, der eiskalt zu seinem zweiten Saisontreffer einschob. Der einzige Treffer in einer wilden Anfangsphase, in der beide Abwehrreihen zahlreiche Böcke schossen. Gerade als die Partie einzuschlafen drohte, erweckte Fiedler das Grünwalder zum Leben. Nach einem Zuspiel von Tunay Deniz zog Fiedler von der linken Seite in die Mitte und schlenzte den Ball traumhaft zum 2:0 in den Winkel.
Zu sehr wollten sich die Fans zur Pause noch nicht festlegen in Sachen erster Heimsieg der Saison. Schließlich hatten ihre Sechzger in den vergangenen Wochen die ein oder andere Führung leichtfertig verspielt. Am Freitag war das anders. Dafür sorgte der Mann für die besonderen Momente, keine zwei Minuten nach Wiederanpfiff. Nach einem abgewehrten Ball zog Deniz aus spitzem Winkel und großer Distanz einfach mal ab. Der zur Halbzeit (verletzungsbedingt für seinen Kollegen Reil) eingewechselte Gäste-Keeper Elias Rogg wurde auf dem falschen Fuß erwischt – das 3:0.
In der Folge entstanden riesige Löcher im Mittelfeld, beide Angriffsreihen bekamen viel Platz vom Gegner geschenkt. Ein paar Minuten wackelte 1860 tatsächlich bedenklich und wurde gleich zweimal von Keeper Vitus Eicher vor dem Gegentreffer bewahrt. Insgesamt aber präsentierten sich die Gäste zu schwach in der Offensive.
Und Sechzig? Ging wieder einmal zu schlampig mit den zahlreichen Kontergelegenheiten um. Im letzten Drittel trafen die Kayabunar-Jungs zu häufig die falsche Entscheidung, verpassten dadurch ein Schützenfest auf dem Giesinger Berg. Pluspunkte sammelte noch Neuzugang Eric Uhlmann, der kurz vor dem Ende mit einer beherzten Grätsche die Null rettete.
Der Rest war eine weiß-blaue Party. Die Fans sangen überglücklich, feierten ihr Team und den ersehnten ersten Heimsieg der Saison. Der nächste Entwicklungsschritt der Löwen, er ist geschafft.MARCO BLANCO UCLES