Sportlich ist Michael Olise über jeden Zweifel erhaben. Der Offensiv-Star des FC Bayern liefert regelmäßig Weltklasse-Leistungen. Am Mikrofon sind seine Auftritte hingegen leider meist nur Kreisklasse. Jüngstes Beispiel: sein Pflicht-Interview als „Man of the Match“ nach dem 5:0 in der Champions League gegen Bodö/Glimt.
„Wie einfach ist es, solche Tore zu erzielen? Es sieht brillant aus. Wie fühlt es sich an?“, fragte DAZN-Reporter Jochen Stutzky den Doppeltorschützen. Olises Antwort: „Ich weiß es nicht.“
Dass der französische Nationalspieler Interviews hasst, ist bekannt. Sein „Gespräch“ am Donnerstag war aus meiner Sicht allerdings daneben. Ja, auch wir Journalisten stellen mal dumme Fragen. Kritische Themen möchten die Protagonisten nicht immer mit den Medienvertretern besprechen. Dieses Mal ging es bei Olise aber nicht um Real-Gerüchte oder eine mögliche Vertragsverlängerung, sondern ausschließlich um seine Super-Show auf dem Rasen.
Schon bei seiner Bayern-Vorstellung im August 2024 sagte der 24-Jährige, der von Crystal Palace kam, nur rund 100 Worte. Seitdem macht Olise immer wieder mit eigenwilligem Verhalten auf sich aufmerksam. Ob bei Interviews oder Sponsoren-Terminen. Zum Beispiel vor drei Wochen beim Allianz Team Day des FC Bayern, als er eine Rate-Challenge vor 2000 Fans am Jugend-Campus einfach so nach nur 30 Sekunden abbrach.
Viele Fans feiern Olise dafür. Es ist auch Teil seines Images als sogenannter Mister Nonchalant. Also, als einer, der keine Emotionen zeigt und selbst in Augenblicken großer Freude keine Miene verzieht. Ein solches Verhalten ist allerdings ein Balanceakt. In passenden Momenten ist es cool. Wenn man nicht normal auf freundliche Fragen antworten möchte, kann es allerdings schnell respektlos wirken.
In der Kabine ist Olise offener. Er spricht und lacht mit allen. Auch beim TV-Sender CBS Sport präsentierte er sich 2026 redseliger. Keiner verlangt regelmäßige Interviews. Aber etwas mehr Nahbarkeit und Emotion in der Öffentlichkeit stünden dem Ausnahmekönner gut.