Das Stadion an der Kaiserlinde während der Aufstiegsparty. Die Kapazität soll erweitert werden. © Bredel/Imago
Elversberg – Wie ungewöhnlich dieser neue Bundesligist ist, merkt man schon, wenn man eine Reise nach Elversberg plant: Im Ort gibt es kein einziges Hotel, das nächste liegt ein paar Kilometer entfernt an einer Landstraße und ist nicht gerade leicht zu finden. Die Adresse sei „in manchen Navis noch nicht hinterlegt“, heißt es auf der Hotelwebsite, man müsse bitte der Beschilderung folgen.
Und es scheint auch noch nicht überall hinterlegt zu sein, dass dieser kleine Verein jetzt Bundesliga spielt. Am ersten Spieltag schlug die SV ein völlig überraschtes Bayer Leverkusen mit 3:2, ein ähnliches Szenario will der FC Bayern bei seinem Auswärtsspiel am Sonntag (17.30 Uhr, DAZN) vermeiden.
Und dabei kann sich der Rekordmeister auf ein besonderes Erlebnis einstellen: Rund 7.500 Einwohner hat der Ortsteil Elversberg bloß, bei Heimspielen befinden sich mehr Zuschauer im Stadion. 10.000 Anhänger passen nämlich in die Ursapharm-Arena an der Kaiserlinde, es ist das kleinste Stadion der Bundesliga-Geschichte – so wie Elversberg natürlich auch der kleinste Ort ist, der sich bisher Bundesligist nennen darf.
Und dieser Ort ist bei jedem Spieltag am Limit: Elversberg besitzt keinen eigenen Bahnhof, die Fans müssen per Bus aus den Nachbarorten anreisen oder mit dem Auto. Den Parkplatz am Stadion können sie dabei aber nicht nutzen, weil dieser ohnehin schon ausgelastet ist, stattdessen setzt der Club auf Shuttles von einem Park-and-Ride-Platz in der Nähe.
Und auch das Stadion selbst wird erst noch bundesligatauglich gemacht. Weil die Kapazität auf 15.500 Zuschauer ausgeweitet werden soll, fehlt aktuell die Nordtribüne – stattdessen stehen dort Kameratürme und eine provisorische Tribüne. „Das wird spannend. Dieses Stadion ist ja ein permanenter Bau zurzeit“, freute sich daher auch Bayerns CEO Jan-Christian Dreesen auf die Reise ins Saarland am Sonntag.
Unterschätzen will den Aufsteiger beim FC Bayern aber niemand – schließlich sind die Elversberger furios mit zwei Siegen in die Saison gestartet. „Wir sind hinter Elversberg momentan“, erklärte Joshua Kimmich, der seinen FCB schmunzelnd als „Underdog“ bezeichnete. „Sie haben schon sieben Kisten gemacht, mehr als wir.“
Mit sechs Punkten stehen sie auf einem sensationellen vierten Platz, der FC Bayern reist als Tabellensechster an.VINZENT TSCHIRPKE