Dienstagmorgen auf Sizilien. 38 Grad. Wir waren extra früh aufgestanden, um auf den Wochenmarkt zu gehen, bevor es richtig heiß wird. Der Markt ist riesig. Kleidung, Schuhe, Taschen, Haushaltszeug. Verkäufer schreien ihre Preise durch die Gegend, Kunden feilschen um zwei Euro, als ginge es um Leben und Tod.
Mittendrin: mein Mann, unsere zwei Kinder und ich. Eigentlich dachte ich, wir seien körperlich ganz gut aufgestellt. Zumindest meine Tochter. Sie tanzt seit Jahren auf Leistungsniveau. Ein paar Stunden sizilianischer Wochenmarkt? Sollte sie locker wegstecken. Tat sie nicht.
Übelkeit, Schwäche, Kreislauf. Wir legten sie neben einen Kleiderstand auf den Boden. Sekunden später hatten wir Publikum. Eine Frau aus Norditalien übernahm das Kommando. „Sie muss in die stabile Seitenlage! Rufen Sie einen Krankenwagen!“ Ich wusste langsam nicht mehr, ob sie Kreislaufprobleme hatte oder wir kurz vor einer Reanimation standen. Dann kam er. Muskulös. Sizilianer. Standverkäufer. „Was für Seitenlage? Was für Krankenwagen? Sowas haben wir hier ständig.“
Er hob meine Tochter hoch, als wäre sie eine Feder. Technisch sauber, ohne Aufwärmen. Er legte sie auf seinen Verkaufsstand. Direkt auf die Klamotten. Das sizilianische Regenerationsprogramm: Wasser. Ins Gesicht, auf den Kopf, an die Handgelenke und Füße. Nächste Stufe: Zitronengranita. Und tatsächlich ging es ihr langsam besser.
Inzwischen entdeckte ich die Klamotten. Es fühlte sich moralisch nicht ganz einwandfrei an, die Ware durchzusehen, während das eigene Kind noch darauf lag. Und nach allem, was dieser Mann für uns getan hatte, wäre Weggehen ohne Einkauf unhöflich gewesen. Am Ende ging alles gut. Meine Tochter war wieder fit und ich habe eine neue Hose.