Hat Montag wohl frei: Lehrerin Alex Wilke.
Jubel und Erleichterung: Fiebich (re.) hat ihr Scoring gefunden. © Hartmann/AFP
Frech und talentiert: Frieda Bühner (22) glänzt mit ihrer Cleverness und Vielseitigkeit. Gegen Frankreich geht es ums Finalticket bei der Heim-WM. © Gora/dpa (2)
Berlin – Leonie Fiebich war nach dem Basketball-Wunder von Berlin „ready für ein Bierchen und bisschen feiern“, Nyara Sabally träumte von „Eisbad und Döner“ und Lehrerin Alexandra Wilke durfte sogar Schule schwänzen. Einige der deutschen Medaillenjägerinnen gönnten sich zur Belohnung für den historischen Halbfinaleinzug bei der Heim-WM schon im Mannschaftsbus ein wohlverdientes Kaltgetränk. Die ganz große Party soll aber am Sonntag folgen.
Eine Woche nach dem 30-Punkte-Debakel zum Auftakt gegen Spanien greift die DBB-Auswahl bei der WM völlig überraschend nach einer Medaille und ist nach einer fulminanten Entwicklung plötzlich in der Weltspitze angekommen. „Die Mannschaft ist Weltklasse“, schwärmte Ex-Nationalspielerin und MagentaSport-Expertin Ireti Amojo nach dem famosen 93:74 über Europameister Belgien.
Im Halbfinale gegen Titelkandidat Frankreich geht es an diesem Samstag (16.30 Uhr/ProSieben Maxx und MagentaSport) um den Einzug ins Finale, in dem am Sonntag Topfavorit USA oder Spanien warten würden. Das Superteam der USA gegen die Gastgeberinnen – aus deutscher Sicht wäre das ein Traumfinale.
„Das ist für mich definitiv der beste Tag im deutschen Basketball“, sagte Bundestrainer Olaf Lange, der vor vier Jahren als Assistant-Coach an der Seite seiner australischen Ehefrau Sandy Brondello WM-Bronze gewann. „Olaf ist genau das Puzzleteil, das uns gefehlt hat“, sagte Leistungsträgerin Leonie Fiebich, die mit Lange bereits bei New York Liberty in der WNBA zusammengearbeitet hat. „Ich habe mich noch nie in der Nationalmannschaft so wohl und frei gefühlt. Das ist etwas Besonderes.“
Gegen Belgien führte diese neue Freiheit zu einem rauschhaften Basketball-Abend. In der ersten Reihe jubelte Basketball-Legende Dirk Nowitzki mit. Auf den Rängen herrschte Ekstase. Mittlerweile ist Deutschland laut Fiebich „kein Underdog“ mehr: „Sie haben uns jetzt im Visier und wissen, dass mit uns nicht zu spaßen ist.“
Die starken Französinnen werden noch einmal ein anderes Kaliber sein als Europameister Belgien. Der Olympia-Zweite von 2024 hat sowohl schnelle als auch physische Spielerinnen und liefert so das komplette Paket ab. Doch Deutschlands Basketballerinnen wollen mehr – am liebsten eine Medaille. „Wir haben schon so lange vor, der Welt zu zeigen, dass wir ein starkes Team sind. Das hier zu Hause zu machen, bedeutet so viel“, sagte Nyara Sabally, deren Einsatz bis kurz vor dem Turnier fraglich war.
Doch die WM in ihrer Heimatstadt wollte sich die WNBA-Spielerin auf keinen Fall entgehen lassen, gegen Belgien trumpfte sie mit einem Double-Double groß auf. Und das in besonderen Schuhen. „Das sind Satous. Es ist cool, in den Schuhen deiner Schwester zu spielen“, sagte die jüngere der beiden Sabally-Schwestern.
Satou muss wegen der Nachwirkungen einer Gehirnerschütterung passen, ist so aber zumindest ein bisschen dabei. Es ist dieser besondere Spirit, der das Team nach dem 53:83-Schock zum Auftakt gegen Spanien hat zusammenfinden lassen und es jetzt auf einer Welle der Begeisterung durch das Turnier trägt. Auf dieser Welle wollen Fiebich und Co. jetzt auch gegen Frankreich bleiben.
Nach dem Viertelfinal-Aus bei den Olympischen Spielen 2024 hat Deutschland noch eine Rechnung offen. Die unerschrockene Frieda Bühner sagte angriffslustig: „Frankreich ist ein richtig gutes Team. Aber wir sind auch unter den besten vier Teams der Welt, also sind wir auch richtig gut.“SID, DPA