Sprint-Legende Usain Bolt bespaßt das Publikum und ist Werbefigur für das neue Format. © Vasvari/EPA
Jakob Ingebrigtsen bekam eine Extra-Einladung für das Event und gewann die 5000 m. © World Athletics
Auch ein „Ultimate Champion“: Melissa Jefferson-Wooden setzte sich über die 100 m durch. © Stansall/AFP
Stabhochspringer Mondo Duplantis trank sein Siegerbier aus einem Schuh. © Morita/Imago
Budapest – Wohl keine andere Zahl wurde in den vergangenen Tagen so oft durch das Stadion in Budapest geschrien: 150.000. Nach jedem Wettkampf wird der Sieger (der hier „Ultimate Champion“ heißt) gefragt, was er denn mit dem Preisgeld von 150.000 Dollar anfangen werde. Zum Vergleich: Bei den vergangenen Olympischen Winterspielen erhielten deutsche Sportler 30.000 Euro Prämie von der Deutschen Sporthilfe für eine Goldmedaille.
Selbst Sprint-Legende Usain Bolt entfuhr ein „Jesus“ über die Lippen mit Blick auf den Topf von zehn Millionen Dollar bei den „World Athletics Ultimate Championship“. Die Leichtathletik-Elite feiert ein rauschendes Fest in Ungarns Hauptstadt. Stabhochspringer Mondo Duplantis küsste nach seinem Sieg erst seine Frau Desiré (ein schwedisches Model), sprang in die Menge und trank dann Bier aus seinem Schuh (ja, wirklich). „Ich freue mich aufs Feiern und Tanzen. Ich will mich auf die Biere stürzen, vielleicht Tequila.“ Am Sonntagabend performte Duplantis dann noch seinen für das Event komponierten Song „Gold“ live in der Arena: „Ich bin keine Whitney Houston, aber Musik erfüllt mich mit Freude.“
In Budapest finden nur rund die Hälfte der 50 olympischen Leichtathletik-Wettbewerbe statt. Der Fokus gilt den größten Stars. Es gibt kaum eine Pause zwischen den Wettkämpfen, die Übertragung punktet mit innovativen Einblendungen, die Stadionoptik wurde angepasst (unter anderem ein schwarzer Innenraum). „Es ist ein Blick in die Zukunft unseres Sports“, sagt Sebastian Coe, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes: „Riskanter, reibungsloser, schneller.“
So schnell, dass es eben nicht alle aufs Boot schaffen. Oder eher die Yacht, mit Blick auf das Preisgeld. „Das ist natürlich unschön, dass wir kategorisch ausgeschlossen worden sind“, sagte Diskuswerferin Kristin Pudenz dem Tagesspiegel: „In den technischen Disziplinen erhalten die Achtplatzierten 10.000 Dollar. Das bekommt bei uns im Diskus die Siegerin bei der Diamond League.“ Auch Speerwerfer Julian Weber, der den dritten Platz belegte, sagte: „Es wäre deutlich schöner, wenn alle Disziplinen dabei sind. Das ist schon ärgerlich.“ Freuen konnte sich Emil Agyekum, der mit einer Zeit von 47,10 Sekunden seinen deutschen Rekord pulverisierte (vierter Platz, es siegte Alison dos Santos vor Karsten Warholm).
Während die Stars um die Sprint-Sieger Jefferson-Wooden sowie Kenneth „Kenny“ Bednarek und 5000-m-König Jakob Ingebrigtsen das Format feiern, vermehrt sich die Kritik von den Daheimgebliebenen. Der deutsche Hammerwerfer Merlin Hummel, der in Budapest gewann, freut sich, dass der Weltverband das Risiko eingeht und Innovationen vorantreibt. „Es war eine coole Show, Entertainment. Natürlich kann man an der ein oder anderen Stelle auch kritisieren“, sagt Hummel unserer Zeitung: „Aber es geht definitiv in die richtige Richtung.“
Der Leichtathletik-Weltverband wertete in den vergangenen Jahren Publikumsumfragen aus, Fans in den Stadien bekamen Pulsmesser. Durch die datengetrieben Analyse sollte entschieden werden, wer bei dem neuen Format dabei ist.
„Alles ist ein bisschen aufregender als bei den Weltmeisterschaften, aber dieses Event hat auch etwas mehr Druck mit sich gebracht, weil viel auf dem Spiel steht“, sagte Bednarek. Selbst die schnellsten Männer der Welt werden nervös, Reformer Coe wird das freuen.NICO-MARIUS SCHMITZ