Löwe der Woche: Lance Fiedler musste nach seiner Gala viele Hände schütteln. © IMAGO
München – Einen 1860-Spieler drückte Gernot Mang einen Tick länger an seine präsidiale Brust: Lance Fiedler. Der 19-Jährige hatte hinten mitgeholfen, die Null zu halten – und vorne seinen Offensivdrang ausgelebt. Mit zwei sehenswerten Toren war der Linksverteidiger der Wegbereiter des 3:0 gegen Schwaben Augsburg.
Im fünften Saisonspiel im Grünwalder Stadion endete die schwarze Heimserie. Nach den Punkteteilungen gegen Augsburg II (2:2) und Landsberg (1:1) sowie den Pokalpleiten gegen Kiel (0:2) und Buchbach (1:3) gab es den ersehnten ersten Heimsieg – weil Fiedler früh die Richtung vorgab.
Nach einem energischen Ballgewinn von Raphael Ott schloss er überlegt zum 1:0 ab (10.). Noch vor der Pause zog Fiedler aus der Distanz ab und traf sehenswert zum 2:0 (35.). „Nicht in Worte zu fassen“, sagte er über das Gefühl: „In diesem Stadion, mit diesen Fans – unglaublich.“
Dass ständig über den ausgedehnten Heimkomplex gesprochen wurde, hatte auch ihn genervt. Trainer Alper Kayabunar sprach das Thema vor dem Spiel noch einmal an. „Wir wollten unbedingt gewinnen und auch zu null spielen“, berichtete Fiedler. Sein trockenes Fazit: „Aufgabe erfüllt.“
In den beiden Toren bündelte sich, was den Außenverteidiger so wertvoll macht: Fiedler verteidigt entschlossen, marschiert unermüdlich nach vorne und besitzt die feine Technik, seine Vorstöße gefährlich abzuschließen. Drei Saisontore stehen schon für ihn zu Buche.
„Wir wissen, was für einen überragenden Schuss Lance hat“, sagte Tunay Deniz, der kurz nach der Pause das 3:0 erzielte: „Er hat Torinstinkt, Offensiv-Power, er will immer mit nach vorne.“ Das Schlitzohr verband sein Lob mit einer Warnung: „Er darf sich auf seinen drei Toren nicht ausruhen, sondern muss weiter Gas geben. Dann hat er eine sehr, sehr große Zukunft.“
Fiedler gehört zu den großen Gewinnern des Löwen-Neustarts. Noch vor wenigen Monaten spielte er in der U 21, nun ist er Stammkraft bei den Regionalliga-Profis – und einer von drei Hoffnungsträgern, die 1860 bis 2028 gebunden hat. Auch Arian Ortivero Calderon und Emre Erdogan unterschrieben neue Verträge.
Bei Fiedler ging das schnell. Er besprach sich mit seiner Familie, schlief eine Nacht darüber und sagte zu. „Es gab keine andere Option“, erklärte er: „Die Löwen bedeuten mir sehr, sehr viel. München, die Fans, das Stadion – es macht riesigen Spaß, hier Fußball zu spielen.“
Groß gefeiert wurde die Gala nicht. Fiedlers Vater wartete, zu Hause sollte es noch ein kleines Essen geben, danach ging es ins Bett. Schon am Dienstag müssen die Löwen bei Greuther Fürth II wieder ran (19 Uhr).
Gutes Timing aus 1860-Sicht, Fiedlers Vertrag noch vor dem Augsburg-Spiel verlängert zu haben. Nach seiner Doppelpack-Gala dürfte der Name des Berliners bald auch auf den Wunschlisten anderer Clubs auftauchen.ULI KELLNER