Die Erlösung: Elf Minuten nach Elversbergs Ausgleich schießt Harry Kane seine Bayern zum Sieg © Schlichter / AFP
Spiesen-Elversberg – Baustellen-Container als Umkleidekabinen, Bagger hinter den Auswechselbänken und ein Spieler-„Tunnel“ unter freiem Himmel: Das Star-Ensemble des FC Bayern betrat beim Gastspiel in Elversberg ungewohntes Terrain – und wäre beinahe gegen den nächsten Aufsteiger gestolpert. Am Ende setzte sich der deutsche Rekordmeister gegen den krassen Außenseiter dank Treffern von Lennart Karl und Harry Kane mit 2:1 (1:0) durch. Für die SV Elversberg hatte der langjährige Bayern-Jugendspieler Maurice Krattenmacher für den zwischenzeitlichen Ausgleich gesorgt.
„Es war ein schwieriger Gegner und schwierige Verhältnisse. Ich bin mir sicher, dass Elversberg hier noch viele Punkte gegen Top-Mannschaften holen wird“, lautete das Fazit von Bayern-Chefcoach Vincent Kompany: „Wir hatten heute unsere Momente und hätten noch mehr Tore erzielen können. Aber wir sind glücklich mit den drei Punkten.“
Kompany rotierte auf sieben Positionen im Vergleich zur 5:0-Gala in der Champions-League gegen Bodö/Glimt: Unter anderem stand Jonas Urbig für Manuel Neuer zwischen den Pfosten und Mittelfeldchef Joshua Kimmich bekam eine Verschnaufpause – für ihn rückte Tom Bischof in die Startelf. Außerdem nahmen Jonathan Tah, Konrad Laimer, Alphonso Davies, Jamal Musiala und Luis Diaz auf der Bank Platz. Dafür durften Minjae Kim, Josip Stanisic, Nathaniel Brown, Lennart Karl und Ismael Saibari ran. „Es war wichtig, frische Spieler von der Bank zu bringen, die 110 Prozent geben“, meinte Kane.
Die Münchner gingen kontrolliert ans Werk, die Intensität in ihrem Spiel war aber wohldosiert. Daher dauerte es 26 Minuten, ehe Karl das erste Tor des Tages erzielte: Saibari setzte sich mit einem Übersteiger durch und flankte in den Strafraum. Dort ließ Kane durch und am zweiten Pfosten lauerte Karl. Weil der Youngster beim Torjubel in Richtung Elversberg-Fankurve lief und den Zeigefinger auf die Lippen legte, zog er den Zorn der SVE-Anhänger auf sich und wurde fortan bei jeder Ballberührung ausgepfiffen. „Wenn es falsch rüberkam, tut es mir leid“, sagte der 18-Jährige bei DAZN. Glück hatten die Bayern kurz vor der Halbzeit, als ein Treffer von Cole Campbell wegen einer Abseitsstellung zurückgepfiffen wurde.
Nach dem Seitenwechsel waren die Abseitsrollen dann vertauscht, als ein Tor von Kane zurückgepfiffen wurde (60.). Doch im direkten Gegenzug jubelten plötzlich die Elversberger über den Ausgleich: Der eingewechselte Krattenmacher nahm sich am Strafraum ein Herz und zirkelte den Ball sehenswert ins rechte obere Eck. Doch nach dem 1:1 hatte Kompany die Schnauze voll und wechselte nach 65 Minuten gleich viermal: Davies, Kimmich, Diaz und Musiala kamen ins Spiel – und fortan strahlten die Münchner wieder die gewohnte Dominanz aus.
Nur sieben Minuten nach dem Vierfach-Tausch trug der Hallo-Wach-Effekt Früchte: Aleksandar Pavlovic bediente Kane im Strafraum, der halbrechts im Fallen technisch anspruchsvoll ins rechte obere Eck traf. Der Engländer, verhinderte dadurch die nächste Dorf-Party in Elversberg. „Wir sprechen oft über den Kader: Die eingewechselten Jungs haben uns mehr Energie gegeben“, lobte Siegtorschütze Kane die Einwechselspieler.M. BONKE, V.TSCHIRPKE