Brot-Zoff um zehn Gramm sorgt für Verwunderung

von Redaktion

Rosenheimer Bäcker können Reaktion in Pfaffenhofen nicht nachvollziehen – Kollege investiert 15.000 Euro in Waagen

Rosenheim – Ganz schön viel Aufregung um zehn Gramm. Das ist Matthias Wolters Meinung zur ganzen Diskussion um den halben Laib Brot in Pfaffenhofen an der Ilm. Vor einer Woche gab es Schlagzeilen um eine Bäckerei, welche sich nach der Beschwerde eines Kunden Waagen im Wert von 15.000 Euro anschaffte. Den Artikel las auch Wolter. Er ist Bäckermeister und Inhaber der gleichnamigen Bäckerei am Ludwigsplatz in Rosenheim. „Meine erste Meinung war: Sich wegen zehn Gramm so aufzuregen? Das habe ich aus Kundensicht nicht verstanden“, sagt er.

Keine Waage
in der Bäckerei

Medienberichten zufolge entstand die ganze Aufregung daraus, dass ein Kunde in einer Bäckerei in Pfaffenhofen an der Ilm ein halbes Brot kaufte. Dieses wog er zu Hause nach und beschwerte sich anschließend bei der Bäckerei. Der Grund: zehn Gramm zu leicht. Kurz darauf sei das zuständige Eichamt in der Bäckerei gewesen und habe die Waage eichen wollen – diese sei allerdings nicht vorhanden gewesen. Die Konsequenz für die Bäckerei: eichfähige Waagen beschaffen. Der Inhaber kam der Aufforderung nach und investierte insgesamt 15.000 Euro.

„Da habe ich zuerst gestaunt und mir gedacht: Was für Waagen kauft der bitte?“, sagt Matthias Wolter. In seiner Bäckerei haben sie auch eine geeichte Waage – schließlich ist das eine rechtliche Vorgabe. Allerdings würde das ausreichende Standardmodell etwa 250 Euro kosten. „Ich habe gelesen, dass er Waagen gekauft hat, die an die Kassen angebunden sind. Das ist natürlich teurer“, sagt Wolter. Doch bei manchen Kunden sei die ganze Thematik so rübergekommen, als müsse der Bäcker 15.000 Euro Strafe zahlen, erzählt der Bäckermeister.

Eine Strafe gab es nicht. „Der Eichbeamte wies darauf hin, dass dies nicht rechtskonform ist“, sagt Stefan Thums, Direktor des Bayerischen Landesamts für Maß und Gewicht. Er stellt auch klar, dass das Amt nicht aufgrund einer Kundenreklamation in der Bäckerei zu Besuch war. Davon hätten sie erst durch die Presseberichterstattung im August erfahren. Der Besuch war allerdings schon im Dezember 2025. Hinzu komme, dass die genannten zehn Gramm nach Thums Einschätzung innerhalb der Toleranz liegen. „Tatsächlich sind wir bei der Bäckerei im Rahmen einer Eich-Rundfahrt tätig geworden“, sagt Thums. Dabei werden mehrere Betriebe einer Region besucht, damit die Waagen, wie vorgeschrieben, alle zwei Jahre geeicht werden.

Doch warum braucht es überhaupt eine Waage beim halben Brot? „Der Verkauf von halben Broten als reine Stückangabe ist rechtlich nicht zulässig. Bei Brot steht der Schutz der Verbraucher im Vordergrund“, erklärt Thums. Allerdings würden sie als Amt auch den Rechtsfrieden nicht stören wollen, wenn ein Kunde bewusst auf die Gewichtskontrolle verzichtet und ein halbes Brot nach Augenmaß kauft. Deswegen habe der zuständige Eichbeamte auch keinen Verwaltungsakt und keine Verwarnung ausgesprochen, sondern lediglich die geltende Rechtslage erläutert. „Die Eichverwaltung ist mit der regelmäßigen Eichung von rund 210.000 Messgeräten in Bayern ohnehin stark ausgelastet“, betont Thums.

Das Wiegen vom halben Brot sieht Wolters aus Rosenheim als Vorteil. „Der Kunde darf nur das bezahlen müssen, was er auch bekommt“, sagt er. Einige Kunden würden absichtlich lieber die kleinere Hälfte wählen, erzählt der Bäckermeister.

Auch das Argument vom Pfaffenhofener Bäcker, dass der Verkaufsprozess durch das Abwiegen länger dauern würde, ist für Wolter nicht so ausschlaggebend. Natürlich sei es ein Arbeitsschritt mehr. „Aber wir haben unsere Waage und geben das Gewicht manuell in die Kasse ein. Das funktioniert tadellos“, betont der 62-Jährige.

In der Region
wird abgewogen

Auch für die Bäckerei Bauer aus Stephanskirchen kam die Aufregung um das halbe Brot überraschend. „Wir arbeiten seit Jahrzehnten nach dem Eichgesetz und wiegen unsere halbierten Brote entsprechend ab“, teilt Christian Bauer mit. Auch bei ihnen würden die Waagen regelmäßig geeicht werden. Dadurch habe es ihn eher überrascht, dass es noch Orte in Bayern gibt, wo das Eichgesetz nicht so durchgesetzt wird. Eine Sprecherin der Bäckerei Miedl teilte auf Anfrage mit, dass auch in ihren Filialen geeichte Waagen vorhanden seien und damit das geteilte Brot abgewogen werde.

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