Rosenheim – Diesen Sommer heißt es für alle Frauen aus Rosenheim und Umgebung Laufschuhe anziehen – und los geht’s! Am 19. September findet im Mangfallpark in Rosenheim der erste Omni-Biotic-Frauenlauf statt. Das bedeutet für die Männer: Zuschauen und fleißig anfeuern, denn der Lauf richtet sich ausschließlich an Frauen und soll mit der Möglichkeit, sich erst beim Laufen zwischen den beiden Strecken (fünf oder zehn Kilometer) zu entscheiden, möglichst viele Teilnehmerinnen locken.
Organisiert wird der Lauf von dem Veranstalter inovent gemeinsam mit dem Probiotika-Verkäufer Omni-Biotic, die beide im österreichischen Gmunden ansässig sind. In einem Interview verrät der Geschäftsführer von inovent, Axel Bammer, warum es einen Frauenlauf braucht und worauf es ihm bei der Planung ankommt.
Sind Sie selbst Läufer?
Ich bin in meinem Leben schon sehr viel gelaufen. Ich habe Sport studiert und bei etlichen Laufveranstaltungen mitgemacht. Ich bin aber kein klassischer Läufer, sondern komme aus dem Volleyball und dem Skifahren. Im Moment konzentriere ich mich auf zwei Kinder und meine Events.
Gibt es etwas, worauf Sie besonders bei der Planung Ihrer Laufevents achten?
Uns zeichnet als Laufveranstalter aus, dass wir immer versuchen, eine Geschichte zu kommunizieren. Die meisten Laufveranstaltungen finden an einem Sonntagvormittag statt. Beim Frauenlauf in Rosenheim haben wir uns für Samstagnachmittag entschieden, sodass man nach dem Lauf noch gemütlich den Abend genießen und gemeinsam feiern kann.
Also spielt auch der soziale Aspekt um die Veranstaltung herum eine wichtige Rolle?
Ganz genau. Ein Ziel von uns ist es, dass dieses Event vor Ort auch zu einem Happening wird. Dass es nicht darum geht: Start, Lauf, Finish, Siegerehrung und weg, sondern dass mit anderen Teilnehmern ein Austausch stattfindet. Neben einem DJ soll es auch Angebote wie Zumba und zum Schluss eine Yogastunde geben. Foodtrucks und Getränke runden dann das Angebot ab!
Warum braucht es Ihrer Meinung nach einen Frauenlauf?
Ich habe selbst eine Tochter und ich würde mir wünschen, dass meine Tochter, wenn sie älter ist, keinen dezidierten Frauenlauf mehr besuchen muss, sondern dass das Thema Frauen und Sport allgemein auf der gleichen Ebene ist wie bei den Männern. Und dass wir uns nicht darüber unterhalten müssen, Frauen im Sport an die Öffentlichkeit zu bringen. Das sehen wir einfach noch nicht überall so. Und darum geht es: Wir wollen die Frauen mehr in die Öffentlichkeit bringen und zeigen, dass sie sich nicht verstecken müssen. Bewegung ist für alle wichtig.
Apropos Sichtbarkeit von Frauen im Sport: Was für Gedanken machen Sie sich dazu und worauf kommt es an?
Wir haben im Vorfeld mit vielen Frauen aus unserem Umfeld darüber gesprochen, was sie antreibt zu laufen, oder wieso sie eben nicht laufen. Viele von ihnen haben das Thema Selbstvertrauen angesprochen. Jede sollte die Möglichkeit haben, zu laufen, zu joggen, zu gehen, um sich einfach mal prinzipiell in Bewegung zu bringen. Und das kann prinzipiell jede, sie muss sich das nur zutrauen. Diese Hemmschwelle wollen wir damit einfach etwas auflösen.
Also wollen Sie vor allem Frauen erreichen, die sich das bis jetzt eher nicht zugetraut haben?
Ja, wobei ich das jetzt nicht nur auf diese eine Zielgruppe herunterbrechen möchte. Es sollen die Frauen, die schon bei vielen Laufveranstaltungen mitgemacht haben, genauso dabei sein. Bei unserem Event soll nicht die Zeit im Vordergrund stehen, sondern es sollen das gemeinsame Aufwärmen, das gemeinsame Yoga nachher, und die gute Zeit im Zentrum sein.
Es dürfen nur Frauen teilnehmen?
Es dürfen nur Frauen teilnehmen. Aber wir haben das langfristige Ziel, irgendwann aus dem Frauenlauf einen Love-Run zu machen, wo Männer dann genauso erlaubt sind, wo in Paaren gelaufen wird oder alleine – egal in welcher Konstellation: Ob Frauen mit Frauen, Männer mit Männern, Männer mit Frauen. Wir fangen jetzt aber erstmal mit dem Frauenlauf an.
Als Teilnehmerinnen von so einem öffentlichen Event mit bestenfalls vielen Zuschauern sind Frauen natürlich in einer eher exponierten und vulnerablen Position. Haben Sie schon Erfahrungen mit übergriffigem Verhalten auf solchen Events gemacht?
Bin ich ganz ehrlich, an diese Thematik haben wir prinzipiell beim Frauenlauf noch nicht gedacht – wobei wir damit in den vergangenen 15 Jahren, in denen wir Laufveranstaltungen machen, eigentlich noch nie Erfahrungen gemacht haben. Oder zumindest ist so etwas an uns als Organisationsteam noch nicht herangetragen worden. Wir erleben unsere Laufveranstaltungen immer als sehr ruhig ablaufende Events, bei denen das gegenseitige Verständnis zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr groß ist. Darum würde ich davon ausgehen, dass es bei einem Event keine großen Probleme gibt. Aber ich nehme das Thema Sicherheit im Allgemeinen auch gerne mit.
Etwas zugespitzt gefragt: Wenn sich jetzt ein Mann mit in den Lauf einschleicht und einfach anfängt, dort mitzulaufen, was würden Sie machen?
Prinzipiell ist es so, dass nur Leute teilnehmen dürfen, die auch tatsächlich eine Startnummer haben. Wenn sich jetzt auf der Strecke jemand hineinschummelt und einfach mitläuft, kann ich schwer etwas dagegen tun. Das kann ich bei einer Laufstrecke neben der Mangfall in Rosenheim gar nicht verhindern. Wenn dieser Mann das aber macht, weil er genau diese Übergriffe vielleicht plant, dann werden wir anders reagieren. Wir haben auch entlang der Strecke 20 Ordner, die natürlich für die Sicherheit auf der Strecke da sind und Absperrungen für Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer machen werden. Aber es wird durchaus auch ein Briefing in diese Richtung geben. Wenn sich eine Frau irgendwie unsicher fühlt, dann kann sie uns auf jeden Fall ansprechen.
Gibt es für Sie denn eine Frau, die eine wichtige sportliche Inspiration für Sie ist?
Meine Mutter ist jetzt 72 Jahre alt und schwimmt noch immer. Sie macht sogar Eisschwimmen und ist bei acht Grad im Traunsee – und davor ziehe ich meinen Hut. Das bekräftigt mich wieder darin, dass Alter keine Ausrede für Bewegung oder dafür ist, Neues zu versuchen.