Rosenheim – Tobias Weiß hat große Pläne. Einige davon hat er bereits umgesetzt, an anderen wird derzeit noch getüftelt. Eine Neuheit hat der Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Rosenheim (VGR) erst vor einigen Tagen vorgestellt. „Wir sind jetzt die vierte Stadt in Deutschland, die auf VGR-Tap setzt“, sagt er im OVB-Interview.
Was sich erst einmal kompliziert anhört, ist eigentlich kinderleicht: In den Stadtbussen befindet sich im Bereich der Mitteltür ein sogenannter Validator. An diesem checken sich Fahrgäste beim Fahrtantritt ein und beim Ausstieg wieder aus („Tappen“). Auch beim Umsteigen wird kurz die Bankkarte oder das Smartphone an das Gerät gehalten. Zum Tappen können alle Kredit- und Debitkarten mit Kontaktloszeichen (NFC-Symbol) sowie Google Pay und Apple Pay genutzt werden.
London, Atlanta, Sydney
– und Rosenheim
„Was in London, Atlanta oder Sydney bereits nicht mehr wegzudenken ist, wird nun auch bei uns Realität. Mit dem VGR-Tap wird Busfahren wirklich kinderleicht und ermöglicht jedem die einfache Nutzung unserer Stadtbusse“, sagt Oberbürgermeister Abuzar Erdogan. Dr. Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV), geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht von einem „Quantensprung für Fahrgäste des ÖPNV“.
Bislang konnten Fahrkarten nur im Ticketzentrum oder direkt beim Fahrer im Bus gekauft werden. Das nahm viel Zeit in Anspruch. Deshalb wurde nun nachjustiert: Ab sofort entfällt der Vordereinstieg beim Fahrer komplett. „Fahrgäste sollen jetzt die hinteren Türen nutzen“, erklärt Geschäftsführer Tobias Weiß.
Mit dem Entfall des Vordereinstiegs entfällt allerdings auch die direkte Fahrkartenkontrolle durch das Buspersonal. „Wir werden stattdessen stichprobenartige Kontrollen durch Kontrolleure durchführen“, verrät Weiß. Diese Aufgabe werden die Fahrer selbst, Schichtleiter oder Mitarbeiter des Ticketzentrums übernehmen. „Wir sind immer zu zweit unterwegs, da wir noch nicht abschätzen können, wie die Kunden reagieren“, erklärt der Geschäftsführer. Er hofft, dass seine Fahrer durch die Umstellung spürbar entlastet und Verspätungen im Liniennetz weiter reduziert werden.
„Wir sind gespannt, wie es anläuft“, sagt Weiß. Bislang sei der Ton den Fahrern gegenüber immer angemessen gewesen; an schwerwiegende Vorfälle kann sich der Geschäftsführer nicht erinnern. Er hofft, dass es dabei bleibt.
Damit auch Senioren problemlos mit dem VGR-Tap zurechtkommen, wird auf den Bildschirmen in den Bussen ein Erklärfilm abgespielt. Zudem wurden zahlreiche Flyer gedruckt. Die Informationskampagne nutzt die VGR gleichzeitig für ein weiteres wichtiges Thema: Den Senioren wird noch einmal gezeigt, wie sie ihren Rollator oder Rollstuhl im Bus richtig sichern. „Es ist quasi ein Auffrischungskurs, wie man richtig Bus fährt“, sagt Weiß.
Der Validator in den Bussen ist eine Alternative zu Ticketautomaten, die sonst nahezu an jeder Haltestelle aufgestellt werden müssten. „Das würde sich für uns nicht rentieren“, rechnet Weiß vor. In den Bussen selbst würden stationäre Automaten zudem unnötig viel Platz wegnehmen.
„Tappen“ geht nur
im Stadtbusgebiet
Einen Haken hat das System jedoch: Die Nutzung des VGR-Tap ist streng auf das Gebiet der Stadtbusse beschränkt. Eine Nutzung der Regionalbuslinien oder der Regionalzüge ist damit nicht möglich. Für Fahrten über die Stadtgrenzen von Rosenheim und Kolbermoor hinaus können Tickets jedoch weiterhin wie gewohnt beim Fahrpersonal der Regionalbusse erworben werden.