Großtagespflege vor dem Aus

von Redaktion

Happinger Einrichtung muss neuem Feuerwehrhaus weichen

Rosenheim – Die Stimmung könnte besser sein. Daraus machen Isabella und Melissa Rinser kein Geheimnis. Und trotzdem versuchen die beiden, sich nicht unterkriegen zu lassen. Im Januar 2026 haben Mutter und Tochter gemeinsam die Großtagespflege „Zwergerlzauber“ an der Heilig-Blut-Straße in Happing gegründet. „Wir haben uns damit einen Lebenstraum erfüllt“, sagt Isabella Rinser.

Isabella Rinser ist Erzieherin, ihre Tochter Melissa Kinderpflegerin. „Wir haben vorher beide in der Krippe gearbeitet, später Erfahrungen in einer Großtagespflege gesammelt“, sagt Isabella Rinser. Irgendwann entstand die Idee, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Sie hätten beim Amt für frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung angefragt, um herauszufinden, ob es in Rosenheim überhaupt einen Bedarf für eine weitere Großtagespflege gibt.

Vertragsverlängerung in
Aussicht gestellt

„Die Stadt hat uns grünes Licht gegeben und uns auch die entsprechenden Räume an der Heilig-Blut-Straße in Happing zur Miete angeboten“, sagt Isabella Rinser. Vorerst begrenzt auf ein Jahr, mit der Aussicht, den Mietvertrag zu verlängern. „Schon damals hat uns die Stadt darüber in Kenntnis gesetzt, dass in unserer Nähe das neue Feuerwehrhaus entstehen soll“, sagt Melissa Rinser. Für sie und ihre Mutter kein Problem. Im Gegenteil. „Für die Kinder ist das natürlich ein absolutes Highlight.“

Auf zwei Etagen haben sich Mutter und Tochter in den vergangenen Monaten hier ihr Reich aufgebaut. Im Erdgeschoss befinden sich Küche und Esszimmer. Über eine Treppe geht es in den Spielbereich, weiter hinten ist das Badezimmer. Alles ist liebevoll dekoriert. „Wir haben sehr viel Arbeit in die Räume gesteckt“, sagt Melissa Rinser.

Dass ihr Konzept aufgeht, zeigt ein Blick auf die Belegungszahlen. „Wir sind mit zehn Kindern voll belegt und könnten rein theoretisch sogar eine dritte Gruppe eröffnen“, sagt Isabella Rinser. Derzeit sind in der Großtagespflege „Zwergerlzauber“ Kinder zwischen ein und drei Jahren untergebracht. Schon jetzt gebe es Anfragen für das kommende Jahr, so das Mutter-Tochter-Team. Viele Eltern würden die Einrichtung weiterempfehlen, zudem hätten Mutter und Tochter im Vorfeld viele Flyer verteilt.

Es läuft gut. Und doch wird die Stimmung getrübt. Im Juni sei das Amt für frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung mit Neuigkeiten auf sie zugekommen. „Uns wurde gesagt, dass das komplette Gebäude abgerissen wird, und wir uns eine neue Bleibe suchen müssen“, erinnert sich Isabella Rinser. Der Schock sei groß gewesen. „Für uns ist es rein beruflich natürlich das Schlimmste, was passieren kann“, fügt Melissa Rinser hinzu.

Der Grund für den Abriss des Gebäudes an der Heilig-Blut-Straße ist der Neubau des Feuerwehrgerätehauses. „Der Abbruch ist dabei sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus technischer Sicht die sinnvollste Lösung“, teilt eine Pressesprecherin der Stadt Rosenheim auf OVB-Anfrage mit. Gleichzeitig schaffe die gewählte Lösung langfristig die Möglichkeit, das Feuerwehrgerätehaus bei Bedarf zu erweitern. „Die entsprechenden Entscheidungen wurden im Juni und Juli 2026 vom Stadtrat getroffen“, fügt sie hinzu.

In diesem Zusammenhang erinnert sie daran, dass die Großtagespflege ihren Betrieb in den bestehenden Räumlichkeiten mindestens bis zum 31. Juli 2027 fortführen kann. „Anschließend ist ein Umzug in neue Räume in der Rosenheimer Innenstadt geplant“, teilt die Sprecherin mit. Da hierfür noch bauordnungsrechtliche und verkehrstechnische Prüfungen erforderlich sind, stehen der genaue Zeitpunkt und die endgültige Realisierung derzeit noch nicht fest.

Stadt unterstützt bei Suche
nach neuem Domizil

Sollte eine Übergangslösung erforderlich werden, kann die Großtagespflege der Sprecherin zufolge vorübergehend auf Räume der Ersatzbetreuung für die Kindertagespflege ausweichen. „Es ist schön, dass die Stadt uns nicht im Regen stehen lässt und uns bei der Suche unterstützt“, sagt Isabella Rinser. Auch sie und ihre Tochter hätten bereits zahlreiche Immobilienbesitzer angeschrieben. „Bislang kamen leider nur Absagen“, sagt Melissa Rinser. Die Hoffnung aufgeben, werden sie trotzdem nicht.

„Alle Eltern haben uns zugesichert, dass sie uns sogar bis nach Großkarolinenfeld folgen würden“, sagt Isabella Rinser. Fest steht: Eine Betreuung wird weiterhin gewährleistet sein. Nur eben an einem anderen Ort.

Für den Abriss selbst gibt es derzeit noch keinen konkreten Zeitplan. Fest steht jedoch das übergeordnete Ziel: Die Fertigstellung des neuen Feuerwehrgerätehauses ist laut Stadtverwaltung für das Frühjahr 2029 vorgesehen.

Falls jemand eine geeignete Immobilie beziehungsweise Räume in Rosenheim hat, die er für die Großtagespflege „Zwergerlzauber“ anbieten könnte, würden sich die beiden Leiterinnen sehr über eine Nachricht freuen. Erreichbar ist Isabella Rinser unter Telefon 0157/53605913.

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