Laufen trotz Heuschnupfen

von Redaktion

Wann Allergiker das Training abbrechen sollten

Rosenheim – Die warmen Sommertage sorgen bei den einen für gute Laune – bei den anderen für eine juckende und laufende Nase, im schlimmsten Fall sogar für Asthma. Die Pollenbelastung ist im Frühling und Sommer hoch. Das macht auch vielen Hobbyläufern das Leben schwer. Der Rosenheimer Alfred Czmaiduch weiß das nur zu gut. Als Kind litt er gleich unter mehreren Allergien, hatte Probleme beim Atmen und bewegte sich deshalb wenig an der frischen Luft. Heute sieht das anders aus.

In diesem Jahr ist Czmaiduch bereits 62.000 Höhenmeter und 1.650 Kilometer gelaufen. Drei, vier oder manchmal sogar fünfmal pro Woche trainiert der 65-Jährige draußen, auch im Frühling und Sommer. Damals, als er noch jünger war, ging das nicht. Seine Augen seien regelrecht aufgequollen, er habe Asthma gehabt und Cortison nehmen müssen. „Damals war das bei starken Allergien so üblich“, erklärt Czmaiduch. Bis er eines Tages zu einem anderen Arzt ging.

Mit fast 50 Jahren
das Training gestartet

„Der hat mir dann gesagt, dass ich mich draußen bewegen muss“, sagt der heute 65-Jährige. Er probierte es aus, fing vor mittlerweile 49 Jahren mit dem Laufen an und ging viel in die Berge. Anfangs fiel ihm das nicht leicht, er tat sich schwerer als andere. Doch das veränderte sich. „Durch die Bewegung an der frischen Luft sind dann auch die Symptome der Allergie besser geworden“, betont Czmaiduch. Inzwischen habe er nur noch hin und wieder Augenjucken, wenn besonders viele Haselnuss- und Birkenpollen unterwegs sind.

Eine Allergie kann sich unterschiedlich auf den Körper auswirken, wie Prof. Dr. Stephan Budweiser erklärt. Er ist Chefarzt der Medizinischen Klinik 3 am Romed Klinikum Rosenheim. „Eine Allergie für sich genommen kennzeichnet lediglich eine überschießende, inadäquate Immunreaktion des Körpers“, erklärt der Mediziner. Entsteht die allergische Reaktion in den oberen Atemwegen, spricht man von Heuschnupfen. „Dieser Heuschnupfen führt oftmals zu verstopfter Nase beziehungsweise Naselaufen, Niesattacken und geröteten Augen“, erklärt Budweiser. Eine Allergie kann aber auch ein sogenanntes allergisches Asthma auslösen, wie der Experte betont. Findet die allergische Reaktion im Bereich der tiefen Atemwege statt, komme es durch die Atemwegsverengung und Schleimhautschwellung oftmals zu Husten, pfeifenden Atemgeräuschen, Brustenge und gegebenenfalls auch Atemnot.

Gerade Ausdauersportler, die durch tiefes Ein- und Ausatmen intensiv mit Luftallergenen in Kontakt kommen, leiden häufig an allergischen Erkrankungen der Atemwege. „Sowohl Heuschnupfen als auch allergisches Asthma können die Leistungsfähigkeit von Sportlern durch die beschriebenen Mechanismen erheblich beeinträchtigen“, betont Budweiser. Nicht nur das Training, sondern auch der nächtliche Schlaf könne durch die allergischen Reaktionen gestört werden. Das führe wiederum möglicherweise zu Müdigkeit und verminderter Leistungsfähigkeit am Tage. „Auch die allergische Entzündungsreaktion im Körper per se kann die Belastbarkeit mindern.“

Das Wichtigste für Alfred Czmaiduch ist heute, sich zu bewegen und so den Stoffwechsel anzutreiben. Deshalb rät er auch anderen Sportlern mit Allergien, soweit möglich, rauszugehen und draußen zu trainieren. Einen Tipp hat er noch parat: „Mit einer starken Allergie läuft man besser im Regen“, verrät Czmaiduch. Das habe er anfangs genauso gemacht.

Seit er im Ruhestand ist, trainiert der Rosenheimer noch intensiver und öfter als zuvor. Außerdem leitet er die Laufgruppe des Skiclubs Aising-Pang, die vor etwa 25 Jahren gegründet wurde. Zwei Mitglieder der Gruppe nehmen Czmaiduch zufolge Medikamente gegen die Allergie. Er selbst kommt allerdings weitgehend ohne Antihistaminika durch die Saison. Dennoch rät er: „Man sollte lieber etwas gemäßigter laufen und auf Leistungssport verzichten, bevor man sich mit Medikamenten dazu zwingen muss.“

Medikamentennutzung
nur in Absprache

Die Nutzung von Medikamenten sollte mit einem Arzt abgesprochen werden, sagt Prof. Dr. Stephan Budweiser. „Einige Antihistaminika können auch eine vermehrte Müdigkeit bedingen und zudem die Konzentrations- beziehungsweise Leistungsfähigkeit mindern“, betont der Chefarzt. Antihistaminika helfen ihm zufolge vor allem bei Heuschnupfensymptomen. Bei allergischem Asthma seien sie nicht wirklich das Mittel der Wahl.

Budweiser rät, im Zweifelsfall auf stärkere Anstrengungen zu verzichten, wenn eine Allergie auf bestimmte bekannte Allergene sehr ausgeprägt und nicht gut kontrolliert ist. Menschen mit allergischem Asthma empfinden ihm zufolge außerdem kalte Luft oft als unangenehm. Diese setze einen zusätzlichen Reiz auf die Atemwege.

Im Einzelfall sei es deshalb sinnvoller, ausnahmsweise in geschlossenen Räumen zu trainieren. Ist das nicht möglich, sollte man auf verstärkt auftretende Symptome achten, das Training langsam steigern und gegebenenfalls die Aktivität beenden. „Treten Atemnot, Brustenge oder Brustschmerzen, laute Atemgeräusche oder Schwindelgefühl auf, sollte das Training sofort abgebrochen werden“, betont Budweiser.

Artikel 4 von 4