Tradition und ein emotionaler Abschied

von Redaktion

Herbstfest-Schausteller feiern zwischen Kirche und Bierzelt

Rosenheim – Vom großen Trubel war zu dieser frühen Stunde auf der Loretowiese noch wenig zu spüren. Hinter den Kulissen liefen die Vorbereitungen für den Wiesntag. Um 9.30 Uhr begann in der Klosterkirche der Schausteller-Gottesdienst. Der frühe Zeitpunkt ist bewusst gewählt. Für die Schausteller ist dieser traditionelle Termin eine kurze Auszeit vom laufenden Festbetrieb – eine Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen, sich zu besinnen und miteinander Gottesdienst zu feiern. Mit dabei auch Einsatzkräfte von Polizei und Rettungsdiensten.

Ruhige Klänge für
einen besonderen Morgen

Gestaltet wurde der Gottesdienst von Schaustellerseelsorger Sascha Ellinghaus. Für die musikalische Gestaltung sorgten die Rimstinger Sänger, begleitet von Peter Anderl auf der Zither. Die ruhigen Klänge passten zu diesem besonderen Morgen.

Auch wenn sich auf den ersten Blick Welten zwischen Kirche und Volksfest auftun mögen, sieht Ellinghaus durchaus eine Verbindung. „Bei der Fahrt mit dem Riesenrad verändert sich der Blickwinkel. Von oben betrachtet, erscheinen viele Sorgen kleiner“, sagte er in seiner Predigt. Und noch etwas mache das Herbstfest aus: „Es lebt davon, wie die Menschen miteinander umgehen.“ Es ging um die, die das Fest gestalten, und um die Bedeutung, die ein Volksfest über das reine Wirtschaften hinaus haben kann.

Der traditionelle Gottesdienst findet immer in der zweiten Hälfte des Herbstfestes statt. Damit bietet sich auch Gelegenheit für eine erste, vorsichtige Zwischenbilanz. Beim anschließenden Weißwurstfrühstück wurde deshalb nicht nur gegessen und geratscht. Auch die bisherige Wiesn wurde unter die Lupe genommen.

Max Fahrenschon, Vorsitzender der Rosenheimer Schausteller und des Bayerischen Landesverbands der Marktkaufleute und Schausteller, zog ein positives erstes Fazit: „Wir haben wunderbares Wetter und die Stimmung ist gut.“ Immer wieder habe es seit den Anfängen des Rosenheimer Herbstfestes auch darum gehen müssen, neue Ideen zu entwickeln und gleichzeitig die Tradition zu bewahren. „Ich finde, das ist uns gut gelungen“, so Fahrenschon.

Für die musikalische Untermalung des Weißwurstfrühstücks sorgten die Raffemoser Musikanten. Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan erinnerte daran, dass die Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland seit dem 27. März 2026 offiziell als Immaterielles Kulturerbe anerkannt ist. „Die Schaustellerei ist weit mehr als nur ein Wirtschaftszweig. Dabei geht es auch um den Einsatz für Kultur und Miteinander“, sagte Erdogan.

Dann wurde es beim Weißwurstfrühstück emotional. Hermann Tomczyk, Ehrenvorstand des Wirtschaftlichen Verbands, ergriff das Wort. Insgesamt 35 Jahre hatte er sich für das Herbstfest engagiert. Nun zieht er sich aus seiner operativen Rolle zurück. Leicht fällt ihm dieser Abschied offensichtlich nicht. Andreas Pfeffer vom Bundesverband Schausteller und Marktkaufleute und Max Fahrenschon überreichten Tomczyk eine Ehrenurkunde, dazu gab es ein Miniaturkarussell.

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