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„Muss ich noch mal fliehen?“

Rosenheimer Bildungswerk zeigt am 9. Oktober Dokumentation über das Ankommen

VON Salome Weindl

Rosenheim – Ein lavendelfarbener Hintergrund. Davor erzählen abwechselnd sieben junge Männer von ihrem Ankommen in Deutschland. Es fühlt sich an, als würden sie einem gegenübersitzen und ihre Geschichte ganz nah erzählen. Das ist der Film „Wir sind jetzt hier“ von Niklas und Ronja von Wurmb-Seibel. Die Protagonisten verbindet mehr als ihre Schicksalsschläge und Fluchterfahrungen. Sie verbindet auch ihr Mut und ihre Zuversicht. Auch davon erzählt der Film.

Ausschlaggebend für die Filmidee war ihr Pflegesohn Hasib, den sie noch aus Afghanistan kannten. Die Filmemacher haben dort vor mehr als zehn Jahren gelebt und gearbeitet. In Deutschland kam Hasib in eine Geflüchtetenunterkunft und verlor immer mehr an Selbstvertrauen. Schließlich holten Niklas und Ronja von Wurmb-Seibel Hasib zu sich. Beobachteten, wie er wieder aufblühte. Durch ihn lernten sie weitere junge Männer kennen. Stellten fest, dass die Narrative über geflüchtete Männer und Jugendliche sehr pauschalisierend sind, so Niklas von Wurmb-Seibel.

Im Jahr 2020 beschließen sie, einen Film zu machen, der die Unterschiede und starken Geschichten der jungen Männer abbildet. Mit ihrer Idee wandten sich die beiden Filmemacher an verschiedene Stiftungen und konnten ihren Film in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung umsetzen. Die Protagonisten des Films wurden dafür zufällig ausgewählt.

Niklas und Ronja von Wurmb-Seibel erzählen auch vom Entstehungsprozess hinter der Kamera. So hat sich das Paar dazu entschieden, anfangs nur die Anweisung zu geben, dass vom Zeitpunkt des ersten Tags in Deutschland erzählt werden soll. „Wir haben nur Nachfragen gestellt, wenn jemand von einem Problem oder einer Schwierigkeit erzählt hat“, schildert Ronja von Wurmb-Seibel. „Wie bist du damit umgegangen? Was hat dir geholfen? Das hat die Funktion, auf Missstände zu fokussieren, aber gleichzeitig mitzuerzählen, wo Lösungen liegen können“, erklärt sie. Sie hat zu dem Thema konstruktives Erzählen das Buch „Wie wir die Welt sehen: Was negative Nachrichten mit unserem Denken machen und wie wir uns davon befreien“ geschrieben und hält regelmäßig Vorträge dazu.

„Ich glaube, Deutschland hat extrem viel Kraft und Potenzial“, meint Niklas von Wurmb-Seibel in Hinblick auf Integration. Ronja und Niklas von Wurmb-Seibel haben sich nicht nur wegen des Films mit Migration und Integration beschäftigt. Das Paar sicherte nach der Rückkehr der Taliban die Unterbringung von mehr als 100 Menschen in Gastfamilien. Sie setzen sich seit Jahren damit auseinander, wie Migration und Integration sicher und würdevoll funktionieren können. Im Gespräch wird deutlich, dass sich beide für Menschen einsetzen, die Flucht erleben mussten. Und diesen Menschen Gehör geben wollen.

Der Film verknüpft Themen, die die jungen Männer trotz unterschiedlicher Herkunft verbinden und bewegen. Es fühlt sich an, als würden sie zusammen eine Geschichte fertig erzählen. „Wir sind Menschen. Ein Körper voll mit Gefühl“, sagt einer der Protagonisten, Azim Fakhri, lächelnd.

Die Erzählungen der Protagonisten wären heute – im Jahr 2026 – mehr von Angst und Verunsicherung geprägt, erklärt Niklas von Wurmb-Seibel. Wenn man sich auf Veranstaltungen wiedertrifft oder telefoniert, äußern sie ihre Ängste: „Mit der Wahl in Sachsen-Anhalt, glaubst du, muss ich hier noch einmal weg? Muss ich noch mal fliehen?“

Die tollsten Fragen und liebevollsten Rückmeldungen erhalte man bei Filmvorführungen in Schulen, erzählt Niklas von Wurmb-Seibel. Das ganze Team, also die Protagonisten und Ronja und Niklas von Wurmb-Seibel, liebt die Schulvorführungen, weil „Kinder so schnell ein neues Bild akzeptieren. Vorurteile hinterfragen. Kinder haben eine direkte, unverkrampfte Art, Fragen zu stellen“, so Niklas von Wurmb-Seibel.

In der Dokumentation fragt Azim Fakhri, warum die Menschen so viele Grenzen bauen. Der Film lehrt, wie viel wir von Menschen lernen können, die Unvorstellbares erleben mussten. Wer sich selbst ein Bild von den verschiedenen Geschichten machen möchte, erhält Tickets auf der Webseite vom St. Nikolaus Bildungswerk Rosenheim. Eine Anmeldung für die Veranstaltung ist notwendig. Außerdem wird Niklas von Wurmb-Seibel selbst bei der Filmvorführung dabei sein. Nach dem Film gibt es Zeit, ihm und jungen Männern aus der Region mit Fluchterfahrung, Fragen zu stellen und sich auszutauschen.

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Freitag, 2. Oktober 2026
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