Sie ist eine der wenigen Schauspielerinnen, die immer da waren. Jedenfalls gab es nie eine Zeit, in der man sich fragte – was macht eigentlich Thekla Carola Wied? Vor 50 Jahren drehte sie ihren ersten Film, heute Abend ehrt das ZDF dieses Jubiläum mit einem Drama. Titel: „Was ich von dir weiß“. Im Interview erzählt die 73-Jährige, die locker auch als 60-Jährige durchgehen würde, was sie einst antrieb, Schauspielerin werden zu wollen, und wie sie zu ihrer Durchbruchs-Serie „Ich heirate eine Familie“ heute steht.
-Sie feiern heuer Jubiläum – seit 50 Jahren stehen Sie vor der Kamera. Was hat Sie damals angetrieben, Schauspielerin zu werden? Der Beruf ist Ihnen ja nicht gerade in die Wiege gelegt worden.
Nein, ganz und gar nicht. Ich komme aus einer sehr armen Familie. Meine Kindheit – ich bin nach der Flucht aus Schlesien in Berlin aufgewachsen – war eher von Freudlosigkeit geprägt. Aus dieser Stimmung heraus habe ich mir aber meine eigene Welt geschaffen. Eine Fantasiewelt. Und als ich fünf Jahre alt war, war klar – ich will Schauspielerin werden. Ich stand oft an den Toren der berühmten Filmstudios von Atze Brauner und habe hin und wieder am Zaun gerüttelt. (Lacht).
-Wie einst Gerhard Schröder vor dem Kanzleramt?
Ja, so ungefähr. Total süß. „Ich will da rein“, habe ich mir gedacht und immerzu gehofft: Mich muss doch mal jemand sehen…
-Was haben Ihre Eltern gesagt, als Sie Ihren Berufswunsch äußerten?
Die waren damit natürlich überhaupt nicht einverstanden. Mit meinem Vater kam es deswegen zu einem jahrelangen Bruch.
-Der nie gekittet wurde?
Doch – in dem Moment, als er mich als junge Schauspielerin auf der Bühne sah. Als gebildeter Alt-Philologe hatte er sich „Faust“ ausgesucht, in dem ich das Gretchen spielte. Da war er gerührt.
-Wie sind Sie vom Theater zum Film gekommen?
Eigentlich war es mein Wunsch, am Theater zu bleiben. Schließlich war es bei Todesstrafe verboten, direkt nach Abschluss der Schauspielschule Filme zu drehen. Nach dem Motto: Theater ist Kunst. Der Rest ist Trallala.
-Aber Sie haben sich widersetzt, als das erste Angebot kam?
Ja. Das habe ich. Allerdings habe ich mir einen anderen Namen gegeben. Ich heiße eigentlich Thekla Wiedmann. Den Film habe ich als Carola Wied gedreht – in der Hoffnung, dass keiner merkt, dass ich es bin. (Lacht.) Dann bekam ich dafür den Bundesfilmpreis – und die Sache flog auf. Von da an habe ich viel gedreht – als Thekla Carola Wied.
-In all den Jahren waren Sie irgendwie immer da. Empfinden Sie das auch so, dass Sie eine Karriere ohne Knick hingelegt haben?
Es gab schon Zeiten, in denen es schwierig war, in denen ich weniger Angebote bekam. Ich war aber auch immer sehr wählerisch, habe in meiner Karriere vielleicht zwei Filme gedreht, bei denen ich heute denke: Das hätte ich nicht unbedingt machen müssen. Aber ich brauchte damals eine neue Küche. Und das, finde ich, darf auch mal ein Grund sein.
-Würden Sie unterschreiben, dass es Frauen ab einem gewissen Alter schwerer haben, gute Rollen zu bekommen? Maria Furtwängler hat gefordert: mehr Frauen im TV!
Da hat sie absolut recht, das kann ich nur unterschreiben. Es ist ja gar nicht einzusehen: Alte Männer sieht man oft im Programm – aber wo sind die tollen alten Frauen? Wir haben doch so viele – warum werden die nicht besetzt?
-Und warum nicht?
Ich höre von den Verantwortlichen immer: Wir wollen jüngeres Publikum erreichen. Dabei sind es doch vor allem die 50- bis 80-Jährigen, die die ARD und ZDF einschalten. Ich kann diese Politik nicht verstehen. Es wäre wünschenswert, dass sich da ein Sinneswandel einstellt – und zwar bitte noch in der Zeit meiner Lebenserwartung, sonst habe ich nichts mehr davon.
Das Gespräch führte Stefanie Thyssen.