Eine „Missgeburt“

von Redaktion

ZDF-Ex-Chefredakteur Nikolaus Brender übt scharfe Kritik am Konzept des Kanzlerduells zwischen Merkel und Schulz

Schon lange vor der Ausstrahlung sorgte und sorgt das für kommenden Sonntag geplante Duell der Kanzlerkandidaten für Schlagzeilen. Grund hierfür ist das Nein von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Änderungen am Konzept der Sendung. Nun hat sich ZDF-Ex-Chefredakteur Nikolaus Brender in die Diskussion eingeschaltet und scharfe Kritik geübt. Das Duell sei eine „Missgeburt“, sagte der 68-Jährige dem „Spiegel“. Die Vorgaben für den Schlagabtausch der beiden Kanzlerkandidaten vor laufenden Kameras würden von der Kanzlerin bestimmt, nicht von den Medien, die ihre Plattform zur Verfügung stellen. „Die Einigung ist unter Erpressung durch das Kanzleramt zustande gekommen“, so Brender. Das Prozedere sei schlicht „sittenwidrig“.

Hintergrund sind Diskussionen über den Ablauf der Sendung. ARD, ZDF, Sat.1 und RTL hatten im Vorfeld angeregt, das Duell zu überarbeiten. Zunächst waren sie mit ihrer Idee, zwei Duelle zu veranstalten (gab es zuletzt im Jahr 2002 zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber), bei der Bundesregierung abgeblitzt. Daraufhin schlugen sie vor, das Duell zu splitten und jeweils zwei der vier Moderatoren (Sandra Maischberger, Maybrit Illner, Peter Kloeppel und Claus Strunz), jeweils 45 Minuten lang zu bestimmten Themen fragen zu lassen – „um die Sendung für die Zuschauer übersichtlicher zu gestalten“. Doch auch das lehnte die Kanzlerin beziehungsweise ihre Berater ab – was nun Brender erbost.

„Das Kanzleramt verlangt ein Korsett für die Kanzlerin, in dem sie sich nicht bewegen muss“, sagt er. „Und zugleich eines für Schulz, in dem er sich nicht bewegen darf.“ Die Kanzlerin mache einen „Wahlkampf im Schlafmodus“, bei dem ein Schlagabtausch nur stören würde.

Das Aufeinandertreffen vor den Kameras der vier größten deutschen Sender ist das einzige direkte Aufeinandertreffen der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz. Tatsächlich zeigt sich die Kanzlerin ansonsten ziemlich experimentierfreudig. Jüngst verabredete sie sich mit vier jungen Youtubern zum Interview und antwortete dabei brav auf alle möglichen Fragen. Außer für das Fernsehduell steht sie den Sendern auch für einzelne Interviews bereit. So traf sich Merkel am Wochenende zum Sommerinterview mit dem ZDF und stellte sich auch bei RTL vor die Kameras.

Das ARD-Sommerinterview nutzte der SPD-Kanzlerkandidat am Wochenende, um ebenfalls auf das große Kanzlerduell einzugehen. Im Gespräch mit ARD-Journalisten kritisierte er das Vorgehen des Kanzleramts. „Dass der Regierungssprecher dieses Landes im Auftrag von Frau Merkel Ihnen Bedingungen stellt, ist ein einzigartiger Vorgang“, sagte Schulz. „Sie wollen ja auch ein Duell haben“, antwortete Moderatorin Tina Hassel: „Besser ein Duell als kein Duell“.  mm

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