Ermittler mit Schal, Mütze und Fellkragen wirken ausgerechnet an einem Sommerabend Ende August etwas fehl am Platz. Aber die Kühle in Köln passt zum Thema: Mit erstarrter Miene zeigt der Kindesentführer den Kommissaren die kalte Schulter. Die Liveübertragung aus einem Verlies, in dem einem Mädchen die Luft zum Atmen schwindet, lässt das Blut in den Adern gefrieren. Zum Start der neuen „Soko Köln“-Staffel bekommt es das Team um Anna Maiwald (Diana Staehly) mit einem kaltblütigen Triebtäter zu tun. Um das Mädchen zu retten, können die Kommissare doppelt so lange arbeiten wie sonst: „Die Zeit heilt keine Wunden“ ist ein 90-Minüter. Das ZDF zeigt die Folge in Spielfilmlänge daher auch heute zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr. Danach geht es ab dem 12. September mit 25 Episoden wie üblich dienstags um 18 Uhr weiter.
Zum Auftakt muss das Quintett den Mord an einem Mädchen aufarbeiten. Die ersten Ermittlungen hatten einen Reitlehrer als Tatverdächtigen ergeben – ein Gericht spricht ihn aber frei, weil sein Geständnis mit Gewalt erzwungen worden sein soll. Ein Brandanschlag auf das Haus des Freigelassenen verschärft die Lage. Ins Visier der Soko gerät auch der damalige Chefermittler Peter Uhlen (überzeugend: Juergen Maurer), der heute unrasiert an Kneipentheken hockt und Zeitungsberichte sowie Fotos zu dem Fall an der Wand über seinem heimischen Schreibtisch hängen hat. Zudem pflegt er ein Duz-Verhältnis mit den Eltern der getöteten Schülerin und taucht nach dem Freispruch ebenso am Haus des ehemaligen Reitlehrers auf.
Als mitten in den Ermittlungen die beste Freundin der Toten entführt wird und dann auch noch der Reitlehrer verschwindet, wird der Kreis der Tatverdächtigen größer. Und für die Mitarbeiter der Soko beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Mögliche Zeugin könnte eine Prostituierte sein, die sich nach Lüttich abgesetzt hat. Daher muss Jonas Fischer (Lukas Piloty) sich in Belgien auf die Suche machen. Vielleicht auch wegen der doppelten Zeit als bei sonstigen Folgen entspinnt sich in dem 90-Minüter ein zweiter Erzählstrang: Fischer stößt bei der Fahndung auf einen Bekannten der Frau, der ihm allerdings K.o.-Tropfen verabreicht und ihn ausraubt.
Nur mit weißen Boxershorts und Shirt bekleidet, wacht der Kommissar im Rotlichtmilieu auf, klaut sich einen Kapuzenpulli mit touristenklischeehaftem Liebeserklärung-an-die-Stadt-Aufdruck und nimmt so die Verfolgung auf. Dabei bekommen die Zuschauer in den anderthalb Stunden mehr von Lüttich als von Köln zu sehen. Nur: Letztlich sind die Ermittlungen in Belgien für die Lösung des Falls so gut wie irrelevant. Was das Ganze soll, ist also eher fraglich.
Regisseur Michael Schneider setzt weite Teile seines Films ins Düstere: dunkle Verhörräume, nächtliche Suchen nach dem entführten Kind und der Prostituierten. Insgesamt taugt er als Mittwochabendunterhaltung – auch wenn gerade zum Schluss die eine oder andere Unstimmigkeit auftaucht.