Kunstfreiheit

von Redaktion

Von Nathalie Waehlisch und Rudolf Ogiermann

„Tödliche Freundschaft“ hieß, im Rückblick vielsagend, die Folge, in der im ZDF-Dauerbrenner „Der Alte“ erstmals Werner Riedmann, Chef der Spurensicherung, auftauchte. Damals war Darsteller Markus Böttcher gerade einmal 22 Jahre alt. Bis 2015 spielte Böttcher in nicht weniger als 280 Folgen mit, diente in dieser Zeit drei Chefs – dann war Schluss. Der Mainzer Sender trennte sich von dem Schauspieler ebenso wie von dessen Kollegen Pierre Sanoussi-Bliss (55), der seit 1997 dabei war, und holte dafür Stephanie Stumph (33) und Ludwig Blochberger (34). Mit ihrer Klage gegen die ZDF-Entscheidung sind Böttcher und Sanoussi-Bliss gestern vor dem Bundesarbeitsgericht endgültig gescheitert. Das höchste deutsche Arbeitsgericht wies ihre Revision zurück.

Die beiden Schauspieler hatten mit der zuständigen Münchner Produktionsfirma nach Gerichtsangaben Verträge geschlossen, die sich auf einzelne Folgen oder die Folgen des jeweiligen Kalenderjahres bezogen. Die Richter werteten die Befristungen als wirksam und sachlich gerechtfertigt. Sanoussi-Bliss war seit 18, Böttcher sogar seit 28 Jahren in der seit 1977 laufenden Serie zu sehen, mit dem Ende der letzten Befristung kam für die Fernsehermittler das Aus.

Das Gericht musste zwischen der Kunstfreiheit und dem Gewohnheitsrecht abwägen. Es entschied, dass das Interesse des Senders überwiegt, die Serie auch kurzfristig fortzuentwickeln – und damit auch Umbesetzungen vornehmen darf. Das Landesarbeitsgericht in München hatte die Klagen der beiden Schauspieler zuvor abgewiesen, den Gang zum Bundesarbeitsgericht aber zugelassen.

Böttcher und Sanoussi-Bliss, die bei der Verhandlung in Erfurt anwesend waren, reagierten enttäuscht, wollten sich aber zu der Entscheidung nicht weiter äußern. Der „Bild“-Zeitung hatte Sanoussi-Bliss kurz nach seinem Hinauswurf gesagt, er frage sich, „welchen Sinn es macht, bei ‚Der Alte‘ junge Kommissare zu haben.“

Die Personalpolitik des ZDF und der Produktionsfirma in Sachen „Der Alte“ war vor einiger Zeit schon einmal in die Schlagzeilen geraten. Im Jahr 2011 erkrankte der damalige Hauptdarsteller Walter Kreye (inzwischen 75) an Krebs. Bereits kurz nach der Operation, so erzählte Kreye später der Berliner „B. Z.“, habe ihm Produzentin Susanne Porsche telefonisch mitgeteilt, dass man auf seine Mitarbeit in der Krimireihe künftig verzichte.

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