Von den Toten auferstanden, um zu sterben

von Redaktion

Im neuen Schweizer „Tatort“ untersucht Kommissar Flückiger den vermeintlichen Selbstmord eines totgeglaubten Unternehmers

Eine Nachtfahrt im Reisebus über die Autobahn, die Passagiere dösen vor sich hin. Dann kracht es, der Fahrer steigt in der Nähe von Luzern in die Bremsen. Ein Mann ist auf seine Windschutzscheibe geknallt, offensichtlich von einer Autobahnbrücke gestürzt. Schnell wird klar, es war Mord, als Selbstmord getarnt. Der Tote ist nicht selbst gesprungen, dafür hat er zu viel Beruhigungsmittel im Blut. Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) und seine Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) übernehmen im „Tatort: Sieben Leben“ (ARD, Sonntag, 20.15 Uhr) den Fall.

Sie finden schnell heraus, dass der Tote angeblich schon 13 Jahre tot war: ein hoch verschuldeter Unternehmer, verschwunden im Tsunami 2004 in Thailand.

Für Kommissar Flückiger haben die Ermittlungen eine persönliche Note: Er kennt den Busfahrer Beni Gisler (Michael Neuenschwander) aus dem Militärdienst. „Ich bin’s, der Flücki“, sagt er dem verstörten Mann noch am Straßenrand. Bei Gisler kommen schlimmste Erinnerungen hoch. Wieder ein Selbstmord, denkt er. Das hat er als Lokführer schon zweimal erlebt. Die Bilder quälten ihn bis zur Psychose. Seine Ehe zerbrach, er gab den Job auf und wurde Busfahrer. Als er hört, dass das Opfer gar nicht selbst gesprungen sein kann, wittert er die Chance, sich irgendwie zu rächen. Er will den Mörder selbst zur Strecke bringen.

Die Ermittler befassen sich indessen mit dem näheren Umfeld des vermeintlich seit 13 Jahren Toten und stoßen auf die Unternehmergattin und Witwe, gespielt von Saskia Vester, und einen wenig patenten Firmenerben, der für Unruhe sorgt. Druck bekommt das Duo von Flückigers Vorgesetztem, Regierungsrat Eugen Mattmann (Jean-Pierre Cornu), der ständig an den Ermittlungen herummäkelt.

Für alle Fans des Schweizer Kommissars, der neun Jahre lang Chef der Seepolizei bei der Kantonspolizei Thurgau am Bodensee war, bis er 2010 zur Kripo Luzern wechselte: Im neuen „Tatort“ gibt es Einblicke in sein Privatleben. Wie beseelt lächelt Flückiger, sobald seine Freundin Eveline Gasser (Brigitte Beyeler) in der Nähe ist. „Schön, wenn man jemand hat, der einen auf andere Gedanken bringt“, säuselt er passend zur Liebesnacht. Dann ist da noch Liz Ritschards Liebesglühen für eine neue Flamme, die gerade einen Imbiss ins Kriminalkommissariat geliefert hat – da könnte vielleicht auch noch was gehen.

Christine Oelrich

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