„Die Ossis packen mehr an“

von Redaktion

Allzu gern wird das Thema DDR als Vorlage für nostalgisch angehauchte Trabi- und Bananen-Witze missbraucht. Die Komödie „Willkommen bei den Honeckers“, die die ARD an diesem Dienstag um 20.15 Uhr zeigt, möchte unterhalten, ohne die Augen vor den dunklen Seiten deutsch-deutscher Geschichte zu verschließen. Für das kritische Hinterfragen sorgt Cornelia Gröschel. Die gebürtige Dresdnerin war zuletzt in dem ZDF-Dreiteiler „Honigfrauen“ über zwei ostdeutsche Frauen, die ihren Urlaub am Plattensee verbringen, zu sehen. In „Willkommen bei den Honeckers“ spielt sie die Freundin des Kellners Johann (Max Bretschneider), der von einer Karriere als Journalist träumt. Dazu bemüht er sich um ein Interview mit Erich Honecker (Martin Brambach). Wir sprachen mit der 29-jährigen Gröschel über die Unterschiede zwischen Ost und West – und warum man sie immer wieder für Filme dieser Art buchen kann.

-Wieder eine deutsch-deutsche Komödie!

Ja! (Lacht.) Also mich kann man da echt immer wieder für buchen. Ich mag das total gerne, die Thematik und die Zeit und die Kostüme. Irgendwie fühle ich mich dem sehr verbunden.

-Weil Sie dort geboren sind? Oder was macht den Reiz aus?

Das ist so ein Bauchgefühl, eine Lebensart, die mir zumindest auf der künstlerischen und schauspielerischen Ebene nah ist. Ich mag es, in dieser Zeit zu spielen. Ich mag diese Natürlichkeit und diese Direktheit. Dieses ein bisschen mehr Unverstellte als das, was bei uns heutzutage vorherrscht.

-Den ehemaligen „Ossis“ sagt man gern nach, dass sie unkomplizierter seien als die „Wessis“. Stimmt das?

Ja, schon. Sie sind ein bisschen direkter. Sie packen mehr an. Ich selber auch. Ich bin jemand, der nicht viel redet, sondern wenn etwas erledigt werden muss, dann erledige ich das erst mal. Und danach wird darüber gesprochen. Bestes Beispiel war ein Umzug während meines Studiums. Da bin ich in Leipzig von der einen Straße in die andere gezogen und hatte ein paar Kommilitonen gebeten, mir zu helfen. Die Ossis waren schon oben und wieder unten und oben und wieder unten und haben die Sachen runtergetragen. Und die Wessis – sag’ ich jetzt mal so salopp – standen unten und haben noch überlegt, wie sie es machen. (Lacht.)

-Sinnbildlich für die Unterschiede?

Total! Auf der anderen Seite ist es auch so, dass zumindest einigen Leuten, die vielleicht gar nicht weggekommen sind aus der ehemaligen DDR, die Weltoffenheit und das Selbstverständnis fehlen, die man hat, wenn man viel herumreist wie zum Beispiel wir Schauspieler. Da merkt man manchmal, dass da so ein bisschen was fehlt.

-Das sind die negativen Seiten der ehemaligen DDR, in der eben nicht alles rosarot war. Komödien sind natürlich nett. Aber es war ein Unrechtsregime, und es gab schlimme Dinge, die dort passiert sind. Wie gehen Sie damit um?

Bei unserem Film wird genau das immer wieder erwähnt. Selbst, wenn er nachher als Komödie betitelt wird, spielen wir trotzdem mit einer großen Ernsthaftigkeit, sonst würde es nicht gehen. Ich nehme diese Themen nicht auf die leichte Schulter.

-Und generell? Darf man über die düsteren Teile deutscher Geschichte lachen? Wie etwa Helge Schneider mit seiner Hitler-Parodie?

Ich finde, wenn es klug gemacht ist und einem das Lachen im Halse feststeckt, absolut.

-Seit einiger Zeit haben die Filmemacher das Thema DDR für sich entdeckt. Liegt da nicht auch die Gefahr, dass die Zuschauer abstumpfen und irgendwann sagen: Jetzt reicht’s aber auch mal wieder!

Das wird bestimmt passieren. Weil sich jetzt ja alle auf das Thema stürzen. Auch Hollywood. Die ehemalige DDR ist gerade sehr im Trend. Ich weiß nicht, wie es den Menschen geht, die das erlebt haben. Wie groß das Bedürfnis von ihnen ist, dass das alles aufgearbeitet wird. Was ich aber zum Beispiel total spannend finde, ist das Thema deutsch-deutsche Flüchtlinge. Wenn man da einmal genau hingucken würde, würde man feststellen: Hm, ja, stimmt, das war bei uns ja auch so! Und das waren keine fremden Leute, sondern das waren einfach unsere Leute aus der DDR. Das hat durch die aktuelle Flüchtlingssituation eine ungeheure Aktualität bekommen. Insofern finde ich die Präsenz wichtig und gut.

-Erst die erfolgreichen „Honigfrauen“, jetzt die „Honeckers“. Haben Sie nicht Sorge, dass es künftig heißt: „Wir brauchen eine Ostdeutsche, ach, nehmen wir doch die Gröschel!“?

Ich glaube, das passiert tatsächlich schon so ein bisschen. Aber das ist mir lieber, als wenn ich jetzt den Stempel hätte: „Wir drehen eine Schmonzette, nehmen wir mal die Gröschel.“ Da arbeite ich vehement dagegen und denke mir: Öfter mal ein Projekt à la Romanze absagen, um genau in diese Schublade nicht reinzukommen.

-Und stattdessen mal lieber einen actionreichen Thriller?

Aber klar! Auf jeden Fall, mit Kusshand!

Das Gespräch führte

Katja Kraft.

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