tv-Kritik

Schlaf bei Henssler

von Redaktion

Die Premiere des Hamburger Kochs als Nachfolger von Stefan Raab war zäh – nicht zuletzt, weil ProSieben ihn auf Sparflamme kochen lässt

von jörg heinrich

Irgendwann zwischen Mitternacht und Morgendämmerung wurde es Zeit, die Sendung umzutaufen – von „Schlag den Henssler“ in „Schlaf bei Henssler“. Denn das Debüt von Hanseaten-Koch Steffen Henssler als neuer Stefan Raab bei ProSieben verlief zäh wie Kamelleber (zumindest stellt man sich Kamelleber so zäh vor).

Geschlagene fünf Stunden, bis 1.15 Uhr früh, brauchte Henssler, um Kontrahent André aus Rostock abzukochen, der offenbar ein Schweigegelübde abgelegt hatte. Ein trantütiger Gegner, fade Spiele – gegenüber „Schlag den Raab“ fühlte sich „Schlag den Henssler“ an wie Ancelotti-Fußball im Vergleich zu Pep-Fußball. Ergebnis: Die Quote war mit 1,72 Millionen Zuschauern solide, lag beim Publikum bis 49 Jahre aber unter sämtlichen Raab-Ausgaben.

Dabei gab Henssler alles. Er blutete wie immer überaus engagiert – brauchte dazu aber kein Messer wie bei „Grill den Henssler“, sondern verletzte sich beim Luftballon-Aufblasen. Zu diesem sehr frühen Zeitpunkt, also nach eineinhalb Stunden, war’s noch lustig. Beim tischtennisartigen „Beachball“ bewies der redefreudige Maître, dass durchaus ein kleiner Raab in ihm steckt. Ein Spiel ansehen, analysieren, Schlüsse ziehen, das beherrscht Steffen wie einst Stefan. An Henssler lag’s eh am wenigsten, dass #SdH (Twitterkürzel) eher schmeckte wie FdH (Friss die Hälfte).

Das größere Problem war der lieblose Umgang von ProSieben mit der Sendung. Nur noch drei Kandidaten, mit 250 000 Euro nur mehr halb so viel Preisgeld wie bei Raab – Henssler muss auf Sparflamme kochen. Dazu Dauerreklame und zähe Spiele wie Gedankenlesen oder Stangensitzen zum Finale – hat Raab seine besten Spieleerfinder mit in den Ruhestand genommen? Zwischen Moderator Elton (St. Pauli) und Henssler (HSV) stimmt die Chemie auch noch nicht, vielleicht liegt’s an den Glaubensunterschieden in Sachen Fußball. Ach, Ruth Moschner, Schätzchen, was haben wir Dich vermisst! Irgendwann am jungen Morgen, als Calli früher schon längst sieben Nachspeisen verputzt hatte, staunte Kommentator Elmar Paulke: „Es ist mucksmäuschenstill.“ Klar, weil alle eingeschlafen waren. Fazit: Der Quassel-Koch hat was auf der Pfanne. Aber die Show muss bis zur nächsten Ausgabe am 4. November zulegen. Motto: „Grill den Sender“ – Henssler sollte ProSieben Dampf machen!

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