Mit knapp 40 Millionen Euro Budget ist „Babylon Berlin“ das größte Serien-Projekt, das es in Deutschland je gab. Heute startet die Serie um 20.15 Uhr auf Sky Atlantic. In der ARD ist sie dann Ende 2018 zu sehen.
Berlin 1929: Die Schockwellen des New Yorker Börsencrashs sind auch in Berlin zu spüren. Alfred Döblin veröffentlicht seinen Roman „Berlin Alexanderplatz“, im Mittelpunkt steht die Hauptstadt des Reiches, „die große Hure Babylon“. Die porträtierte auch der Autor Volker Kutscher in seinen Krimis rund um den Berliner Kommissar Gereon Rath. Für Fans der Bücher muss man allerdings anmerken: Mit dem Original-Kutscher hat „Berlin Babylon“ nur noch in Spurenelementen zu tun.
Die Grundstruktur ist großenteils identisch. Doch es gibt jede Menge zusätzliche Handlungsstränge, Nebenschauplätze und sanfte Verschiebungen. Die Fernsehserie ist ein ambitioniertes Großprojekt geworden. Und nicht nur die gigantischen Kosten erklären auch die riesige Werbetrommel, die nun ganz kräftig geschlagen wird. Das Geld sieht man in jeder Einstellung: Erlesen sind die Innenräume, mal provozierend schlicht im Bauhaus-Stil, mal üppig und detailverliebt. Kostüme und Musik sind sorgfältig gestaltet. Zudem versammeln die Filmemacher Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries eine illustre Schar an hochkarätigen Schauspielern. In der ersten Reihe Volker Bruch als Ermittler Gereon Rath und die formidable Liv Lisa Fries als Charlotte Ritter.
„Berlin Babylon“ ist ein furioser Ritt durch die Goldenen Zwanziger und ein atemloser Geschichtsunterricht für alle, die sich für Politik und Historie nie sonderlich interessiert haben. Die Stärke der Inszenierung liegt zum einen in dem spürbaren Versuch, endlich einmal etwas zu wagen im deutschen Fernsehen, auch optisch. Zum anderen, und das ist es, weshalb „Berlin Babylon“ in einigen Jahren noch sehenswert bleiben wird, in der Genauigkeit im Kleinen, in der raffinierten Andeutung, in dem, was die Figuren zwischen den Zeilen gesagt haben. Daraus entsteht ein aufregendes Spannungsverhältnis, das den Zuschauer auch in manch redundanter Szene noch bei der Stange hält: Hier die ekstatische Party, der sinnenfrohe Rausch, die opernhafte Orgie – dort der Kater am Morgen danach, das Warten auf Arbeit, das graue Elend auf der Straße mit all den Invaliden und das Billigessen bei Aschinger, bei dem auch die Damen vor lauter Hunger den Teller blitzblank putzen.