Reihenweise großes Kino

von Redaktion

Im kommenden Jahr soll es in Cannes erstmals auch ein Serienfestival geben – Nico Hofmann sieht Deutsches ganz vorn

Von Wilfried Urbe

Serien werden immer beliebter, vor allem, seit Streamingdienste wie Netflix ein wachsendes Publikum finden. Dem tragen nun die Festivalmacher im südfranzösischen Cannes Rechnung. Dort wo die Stars und Sternchen der Kinowelt sich im Frühling auf dem Filmfestival tummeln, wird von nächstem Jahr an nur wenige Wochen vorher im April ein internationales Serienfestival stattfinden. „Hochwertige Fernsehserien begeistern das Publikum weltweit, und viele der großen Regisseure und Schauspieler, die wir bisher nur aus dem Kino kannten, finden wir nun in diesem Genre wieder“, sagte die Festivalleiterin und ehemalige französische Kultusministerin Fleur Pellerin auf der Fernsehmesse Mipcom. Ähnlich wie beim Filmfestival werden dann ausgesuchte Reihen untereinander im Wettbewerb stehen und die besten von ihnen im Rahmen einer glanzvollen Zeremonie gekürt.

Der deutsche Produzent und Ufa-Chef Nico Hofmann („Unsere Mütter, unsere Väter“, „Der gleiche Himmel“) ist sich sicher, dass bei diesem Wettbewerb Produktionen aus Deutschland zu den Favoriten gehören werden. Er selbst ist auf der Fernsehmesse unterwegs, um ein weiteres Großprojekt anzuschieben. Es soll „München“ heißen und zeigen, wie Adolf Hitler im Jahr 1938 mit europäischen Staatsmännern über das Schicksal Europas verhandelte. „Wir werden mit international bekannten Schauspielern arbeiten, die Regie wird ein deutscher Topregisseur übernehmen“, kündigte Hofmann an.

Für die Produktion „Siegfried und Roy“ über die beiden deutschstämmigen Illusionisten in Las Vegas (US-Bundesstaat Nevada) sollen die Dreharbeiten im kommenden Jahr beginnen. Der Dreiteiler, der voraussichtlich im Ersten ausgestrahlt wird, hat ein Budget von 20 Millionen Euro.

Derzeit, so brancheninterne Schätzungen, werden weltweit pro Jahr bis zu 1000 Serien neu hergestellt. Die Budgets liegen insgesamt in zweistelliger Milliardenhöhe. Das ist auch auf der Mipcom zu sehen. Vor allem eine deutsche Serie, die dort dem internationalen Publikum vorgestellt wurde, erregte Aufsehen – „Babylon Berlin“. Bereits im Vorfeld der Messe kauften Sender und Streamingdienste aus mehr als 60 Ländern die Reihe. In Cannes wurden zudem Vorbereitungen für einen Deal mit Südamerika getroffen. „,Babylon Berlin‘ wird als Meilenstein in die deutsche Fernsehgeschichte eingehen“, sagte die Geschäftsführerin der Film und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen, Petra Müller. Sie und andere öffentliche Einrichtungen haben die Produktion gefördert.

Der stellvertretende Fernsehdirektor des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Helfried Spitra, zeigte sich davon überzeugt, dass nach der ersten positiven Resonanz von „Babylon Berlin“ eine zweite Staffel folgen wird. „Für uns war es ein Experiment, ob zwei unterschiedliche Marktteilnehmer wie ein öffentlich-rechtlicher Sender und ein Pay-TV-Sender zusammenarbeiten können. Wir möchten damit auch ein Gegengewicht zu den großen Videoportalen wie Netflix oder Amazon bilden.“

Dass Fernsehen aus Deutschland nicht nur bei den Serien Weltklasse besitzt, offenbarten auch die Nominierungen des International Emmy Awards für die Kinder- und Jugendprogramme, die auf der Mipcom bekanntgegeben wurden. „Club der roten Bänder“ (Vox), „Berlin und wir“ (ZDF) sowie „Trudes Tier“ (WDR) haben Chancen auf eine Auszeichnung mit dem begehrten „Emmy Kids Award“.

Die Mipcom in Cannes zeigt, was schon bald in Millionen Wohnzimmern über die Bildschirme flimmert. Die Ware der Messe sind Fernseh- und Filmprogramme. Über 14 000 Verantwortliche von Sendern, Produktionsfirmen und Medienkonzernen aus aller Welt sind an der Strandpromenade Croisette unterwegs und bevölkern das Palais des Festivals in Cannes, um hier geeignete Programme zu suchen und zu finden.

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