„Ich bin mit mir im Reinen“

von Redaktion

Ihre eigene Geschichte wäre auch Stoff für eine Verfilmung. Als die Kabarettistin Christine Eixenberger vor knapp zwei Jahren zum Casting für eine neue ZDF-„Herzkino“-Reihe ging, wollte sie eigentlich nur eine kleine Nebenrolle ergattern. Mal reinschnuppern in den Beruf und schauen, ob er was taugt für sie sozusagen. Am Ende hatte die 30-Jährige die Hauptrolle in „Marie fängt Feuer“ in der Tasche – und eroberte die Herzen der Zuschauer, die die beiden ersten Folgen gesehen haben, im Sturm. An diesem Sonntag läuft nun der dritte, kommende Woche der vierte Teil der Geschichten rund um eine Feuerwehr im fiktiven Örtchen Wildegg (gedreht wird vor allem in Murnau und Umgebung). Im Interview erzählt Christine Eixenberger, warum sie ihre Filme gerne ohne große Gesellschaft anschaut, was sie an den Geschichten über die Marie so mag und inwiefern ihre Arbeit vor der Fernsehkamera ihre Karriere als (ohnehin gefeierte) Kabarettistin beeinflusst.

-Frau Eixenberger, das letzte Mal haben wir uns vor der Premiere von „Marie fängt Feuer“ getroffen. Damals waren Sie furchtbar aufgeregt.

Oh ja, ich erinnere mich. (Lacht.) Eine Freundin hat damals ein paar Leute eingeladen, und das war schon sehr nett. Obwohl ich mir die Filme mit mir eigentlich lieber allein anschaue.

-Warum?

Dann kann ich besser schauen, wie ich mich geschlagen habe am Set. Und vor allem schauen, was ich besser machen könnte. Ich frage mich überhaupt, ob man irgendwann als Schauspieler mal das Gefühl hat: Jawoll, das war jetzt mal richtig gut.

-Ich glaube, das haben die Wenigsten. Haben Sie denn das Gefühl, dass Sie nun angekommen sind in diesem Beruf?

Angekommen schon. Aber ich bin immer schon sehr kritisch gewesen, wenn es um meine eigene Leistung geht. Da liegt mein Maßstab sehr hoch. Was mich einigermaßen beruhigt, ist, dass die Produktionsfirma und der Sender zufrieden sind mit mir. Das ist schon mal was. (Lacht.)

-Was mögen Sie an den Geschichten aus „Marie fängt Feuer“ persönlich gerne?

Ich mag vor allem diese ehrliche, feste Beziehung zwischen Marie und Stefan (gespielt von Stefan Murr, Red.). Ich mag, wie sie auf der einen Seite so angenehm normal miteinander umgehen und dabei doch sehr tiefsinnig sind. Und mir gefällt es, dass die Marie seit vielen Jahren ein Geheimnis mit sich ’rumträgt.

-Die Frage, wer der Vater ihres Sohnes ist.

Ja, genau. Marie hat die Menschen, die ihr am nächsten stehen, angelogen – ihren Partner und den Sohn. Das ist schon heftig, eigentlich das Allerschlimmste. In der vierten Folge taucht der Vater dann auf einmal auf. Und das wiederum bringt natürlich die eine oder andere Schwierigkeit mit sich. (Lacht.) Ich find’s super, dass die Figur der Marie nicht so glattgebügelt und rundum perfekt ist, sondern auch ein paar Abgründe und Tiefen mit sich herumschleppt. Das macht sie realistisch. Denn im echten Leben läuft ja auch nicht immer alles rund.

-Sie leben – ähnlich wie Ihre Figur Marie – auf dem Land, fernab der Großstadt. Hat sich Ihr Leben dort verändert, seit Sie ein Star des ZDF-„Herzkinos“ sind?

Um Gottes Willen nein. Die freuen sich für mich, sonst hat sich nichts verändert. Ich bin ja auch immer noch die, die ich früher war, und kenne die meisten Menschen dort seit meiner Kindheit. Und ich mag genau das.

-Das Vertraute?

Ja. Ich sag Ihnen ein Beispiel: Neulich musste ich zur Polizei, weil ich einen Wildschaden hatte. Da muss man dann so einen Bogen ausfüllen und ich war gscheit nervös, weil ich so etwas noch nie gemacht hatte. Also geh ich rein in die Wache, mit ernstem Gesicht versuche ich, mich gewählt auszudrücken und den Sachverhalt zu schildern. Und dann schaut mich der Polizist so an und meint: „Sag amoi, bist Du ned die Tochter vom Eixenberger Peter?“ Das liebe ich an meinem Leben auf dem Land.

-Sie wären kein Mensch für die Stadt?

Manchmal schon. Denn es kann auch ein bisserl anstrengend sein, wenn jeder jeden kennt und alle alles wissen. Und wie man als Kind so war – und dass man mal wieder anrufen könnte und so weiter. Da wäre mir ab und an ein bisschen mehr Anonymität durchaus nicht unrecht. Aber dann denke ich an die Mieten und die Parkplatznot in München. Und dann vergeht es mir schnell wieder. (Lacht.)

-Hat Ihre Arbeit als Schauspielerin Einfluss auf Ihre Karriere als Kabarettistin?

Ja, schon. Seit den ersten beiden Filmen sitzen Menschen im Publikum, die mich vorher als Kabarettistin nicht kannten. Gerade in Hessen oder Baden-Württemberg, wo ich im Moment häufig spiele, kennen mich nun auch die Veranstalter, was ein großer Vorteil ist. Die Schauspielerei befruchtet in gewisser Weise meine Arbeit als Kabarettistin. Das ist total super.

-Klingt alles nach einem ziemlich perfekten Leben im Moment.

Ja total. Ich stehe im Moment oft auf meinem Balkon, schau in die Natur und denke: Genau so muss es sein. Ich bin mit mir im Reinen und sehr zufrieden mit dem, was ich grad mache. Ich könnte mir kein erfüllenderes Leben vorstellen.

Das Gespräch führte Stefanie Thyssen.

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