Auch ein Bergretter ist mal privat unterwegs. Doch wenn man Fernseh-„Bergretter“ ist, dauert es erfahrungsgemäß nicht lang, bis aus der privaten Tour ein Einsatz wird. So auch in „Am Abgrund“, der Auftaktfolge zur neunten Staffel der ZDF-Actionserie, zu sehen heute um 20.15 Uhr. Bergwacht-Chef Markus Kofler (Sebastian Ströbel) entdeckt beim Wandern mit seiner alten Freundin Carola und deren neunjähriger Tochter Mia die Leiche des Bergführers Robert. Schnell wird klar, dass das kein Unfall war, sondern Robert gestoßen wurde. Kommissarin Jessika Pollath (Maxi Warwel), die gerade ihren Dienst bei der Polizei im steirischen Städtchen Schladming angetreten hat, nimmt Ermittlungen auf.
„Die Bergretter“ – künftig eine Art hochalpine „Soko“-Variante? „Es gibt einen Hauch mehr Krimi“, bestätigt Schauspieler Markus Brandl, der Tobias Herbrechter spielt, den wichtigsten Partner des Bergwacht-Chefs. Ansonsten bleibe das Format so, wie es die Zuschauer gewohnt seien – „mit actionreichen Rettungen, aber auch mit den ganz normalen Alltagsproblemen der handelnden Personen“, so Brandl im Gespräch mit unserer Zeitung. Man merkt dem gebürtigen Rosenheimer an, dass er noch immer Spaß hat an der Serie, für die er – als einer von nur zwei Hauptdarstellern – seit dem ersten Drehtag im Jahr 2009 vor der Kamera steht: „Das ist wie ein Abenteuerspielplatz.“
Dass er bei den „Bergrettern“ nicht die Nummer eins ist, macht dem 42-Jährigen nichts aus – im Gegenteil: „Das ist eigentlich ein Glück, weil mir dieser Umstand ermöglicht, auch andere Sachen zu machen. Ich bin der Produktion dafür sehr dankbar.“ Tatsächlich ist die Liste der Filme, die Brandl zuletzt „nebenher“ gemacht hat, beeindruckend. So stand er für „Die Toten vom Bodensee“ vor der Kamera, spielte in einer ZDF-„Herzkino“-Folge unter der Regie von Matthias Kiefersauer (Ausstrahlung am 3. Dezember) und drehte das ARD-Dokudrama „Leningrad Symphony“ (Ausstrahlung am 25. Dezember). Mit anderen Kollegen, anderen Regisseuren zu arbeiten „hat einen Riesenspaß gemacht“.
Das klingt nach Lust auf noch mehr Neues, nach einem Ende der Ära „Bergretter“. „Ich bin jetzt im besten Spielalter“, antwortet Brandl darauf und räumt ein: „Ich musste schon einige wirklich tolle Angebote ablehnen, was sehr schmerzhaft war.“ Und Theaterspielen – der Wahl-Münchner war von 2004 bis 2009 am Volkstheater engagiert – geht momentan gar nicht: „Einen Dreh- auf einen Spielplan abzustimmen, ist unmöglich.“
Dennoch will der Familienvater, der mit Kollegin Nathalie Schott verheiratet ist, erst einmal als „Bergretter“ weitermachen. Die zehnte Staffel ist in Planung, „und zehn ist eine runde Zahl“, sagt er sibyllinisch. Wenn er die schroffen Gipfel sieht, wenn der gelbe Bergwacht-Hubschrauber knattert am Hauptschauplatz in Ramsau am Dachstein, „dann ist das wie Heimkommen“.