Krimis

Der Mob von Münster

von Redaktion

„Straße der Tränen“, die neue Folge aus der ZDF-Reihe „Wilsberg“, lehnt sich an an eine wahre Begebenheit

Von Carsten Linnhoff

Es geschah im Jahr 2012 im niedersächsischen Emden. Nach dem Tod der elfjährigen Lena stand ein 17-Jähriger für viele voreilig als Täter fest. Die Polizei hatte den jungen Mann zum Verhör gebracht. Er stand unter dringendem Tatverdacht. Von der Festnahme kursierten schnell Videos im Internet. Wie sich später herausstellte, war der junge Mann unschuldig. Doch die Stimmung war längst in Hass umgeschlagen. Ein Mob belagerte die Polizeiwache und rief offen zur Lynchjustiz auf. Die Polizei sollte den perversen Kindermörder herausgeben. Die Jagd auf ihn hatte begonnen.

Eine Steilvorlage für jeden Krimiautor. Wer also im 55. Fall für den ZDF-Ermittler Georg Wilsberg ungläubig dem Geschehen in Münster folgt, findet in Emden eine reale Vorlage. Ja, eine Hetzjagd über das Internet ist möglich und keine billige Fiktion. Allerdings verschenkt das Team um die Drehbuchautoren Sandra Lüpkes und Jürgen Kehrer sowie Regisseur Dominic Müller eine große Chance. Die Folge „ Straße der Tränen“ aus der Reihe „Wilsberg“, zu sehen an diesem Samstag um 20.15 Uhr, kommt als Weltverbesserungsfernsehen daher und insgesamt ein wenig hölzern.

Dabei fängt der Krimi spannend an. Wilsbergs Freund Ekki (Oliver Korittke) nimmt in der Nacht eine Anhalterin mit. Als die junge Frau anschließend verschwindet, gerät der Finanzbeamte in Verdacht. Er stellt sich der Polizei und gerät dabei ins Visier des Internetmobs. Es folgt die klassische Polizeiarbeit durch Kommissarin Anna Springer (Rita Russek), die der digitalen Hetzjagd vermeintlich ständig hinterherhinkt. Ihr Assistent Overbeck (Roland Jankowsky) schwingt sich auf der Suche nach Emelie als der große Digitalversteher auf und blamiert sich dabei – wie gewohnt – bis auf die Knochen.

Die Geschichte hätte mit etwas mehr Spannung und besseren Dialogen zwischen den Hauptdarstellern Leonard Lansink, Oliver Korittke, Ina Paule Klink und Rita Russek nach dem Vorbild aus Emden großes Potenzial. Auch die Nebenrollen sind mit Nina Petri als Polizeipsychologin mit Burnout, Philipp Moog und Regula Grauwiller als Ehepaar in Trennung sowie Rick Okon als Unruhestifter toll besetzt. Alle Figuren aber leiden aber unter der unglaubwürdigen Umsetzung. Schade.

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