Auch ein „kunstvoller“ Krimi findet sein Publikum. Zumindest, wenn es sich um einen Münsteraner „Tatort“ handelt. Nicht weniger als 12,89 Millionen Krimifans wollten am Sonntagabend die Folge „Gott ist auch nur ein Mensch“ sehen. Damit sammelte das Erste um 20.15 Uhr mehr Zuschauer ein als ZDF, RTL, Sat.1, Pro Sieben, Vox und RTL 2 zusammen. Den im April aufgestellten Münster-„Tatort“-Rekord von 14,57 Millionen Zuschauern verfehlte der neue Fall damit zwar recht deutlich, doch immerhin schaffte es die Folge auf den siebten Platz aller 32 seit 2002 ausgestrahlten Episoden mit dem Duo Frank Thiel und Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne (Axel Prahl und Jan Josef Liefers).
Nicht jede Figur war übrigens erfunden in dieser leichenreichen Geschichte, „in der die Kunstbranche zwar auf komische, aber auch auf kritische Weise durchleuchtet wird“, wie die Kritikerin unserer Zeitung schrieb. Hinter dem Mann mit dem Koffer, im Film Jan Christowski genannt, verbirgt sich in der Realität der Konzept- und Medienkünstler Christian Jankowski, der unter anderem Bildhauerei an der Stuttgarter Kunstakademie lehrt. Der „Tatort“ vom Sonntag, sozusagen der gesamte Krimi, war sein Beitrag für die (reale) Ausstellung „Skulpturen Projekte“ in Münster. Zusammen mit dem Kurator Kasper König (dessen Name Kommissar Thiel im Film an einer Stelle als Beschimpfung nutzt) überzeugte der 49-Jährige den verantwortlichen Westdeutschen Rundfunk (WDR) und die Autoren Thorsten Wettcke und Christoph Silber, ihm eine Rolle in die Folge hineinzuschreiben. Am Ende, nach Abschluss der „Ausstellung“, packt der Künstler sein „Werk“ wieder in den Koffer und geht. rog/leic