Achtung! Die wollen nicht spielen, die beißen. Mit eingefallenen Wangen und blutunterlaufenen Augen streifen die Kinder in einem norddeutschen Dorf übers platte Land. „Von irgendwas sind die hier befallen“, stellt Kommissarin Julia Grosz (Franziska Weisz) sinnigerweise fest, um von ihrem Kollegen Falke (Wotan Wilke Möhring) die flapsige Antwort zu kassieren: „So sieht man eben aus, wenn man sein Leben lang nur Hirse frisst.“ Doch an der gesunden Ernährung lag’s nicht. Ein handfester Umweltskandal lauerte im gestrigen „Tatort: Böser Boden“ hinter dem Mord an einem Giftmüllfahrer. Für den örtlichen Fracking-Konzern hatte er kontaminiertes Lagerstättenwasser entsorgt. Der See am Ortsrand – eine einzige Chemiepfütze.
Wütende Dörfler, militante Landwirte und Kinder, die wie lebende Zombies durchs Erdgasrevier wandeln – wie viel Wahrheit steckte im „Tatort“, der zwischen „The Walking Dead“ und Öko-Thriller mäanderte? Erschreckend viel, auch wenn die Horror-Variante, die Regisseurin Sabine Bernardi in bedrohlichen Bildern lieferte, reichlich zugespitzt war. In der zentralen Erdgas-Förderregion in Niedersachsen kennt man die Angst vorm Gift im Wasser. Seit einem Fracking-Unfall 2011 wurden im Landkreis Rothenburg auffällig viele Krebserkrankungen festgestellt. Wenn der Chemie-Cocktail in den Boden gelangt, sind gesundheitliche Folgen wahrscheinlich: Auch Hautausschläge, Übelkeit und Atemnot, wie sie im Film thematisiert werden, sind mögliche Symptome. Leider überspannt der Krimi den Bogen, das zombiehafte Auftreten der „Ökonazis“ (Zitat Falke) raubt dem ernsten Hintergrundthema bisweilen die Brisanz.