Schritt für Schritt zurück ins Leben

von Redaktion

Heute zeigt Sat.1 Gold die „José Carreras Gala“ – und wirbt dafür auf Plakaten mit dem Foto von Lucas aus der Oberpfalz

Von Katja Kraft

Spendenaufrufe mit Kinderfotos sind so eine Sache. Viele Menschen stören sich daran. Sie sind der Meinung, das Elend Minderjähriger dürfe nicht herausgestellt werden, um Mitleid zu forcieren. Nicole Schmaderer sieht das anders. Ihr eigener Sohn ist in diesen Tagen in Großformat zu sehen, überall in München hängen die Plakate – um für die Carreras-Stiftung zu werben und für die „José Carreras Gala“, die heute in München stattfindet und ab 20.15 Uhr live bei Sat.1 Gold übertragen wird. Eine Veranstaltung, die wahrlich Leben retten kann.

Nicole Schmaderer wird zu Gast in der Sendung sein, zusammen mit Lucas, ihrem Sohn. Mit seinen gerade einmal acht Jahren hat der aufgeweckte Bub, der da auf den Plakaten von Ausnahmetenor Carreras umarmt wird, schon eine Menge mitgemacht. Mit fünf die Diagnose  – Leukämie. Nach monatelangen Behandlungen dann die erlösende Nachricht, dass ein passender Knochenmarkspender gefunden sei. „Die Transplantation gelang und es lief eigentlich alles gut“, erinnert sich Lucas’ Mama. Zwar hatte er anfangs eine leichte Abstoßungsreaktion der Haut gegen das neue Knochenmark – „aber die Ärzte sagten, es sei eigentlich gut, wenn der Körper ein bisschen dagegen arbeite, weil die Gefahr, dass die Leukämie zurückkomme, dadurch geringer werde“. Sie bekamen die Abwehrreaktion in den Griff, Anfang 2016 schien Lucas wieder ganz der Alte. „Wenn ihn fremde Leute gesehen haben, haben sie ihm das nicht angemerkt. Gar nix. Er war wie vorher.“

Doch dann beginnt der Kampf seines Immunsystems gegen das fremde Knochenmark aufs Neue. Flüssigkeit in Herz und Lunge, Ödeme in Beinen und Armen, Entzündungen der Bänder und Gelenke. Dadurch verkürzt sich die Muskulatur an Armen und Beinen, Lucas kann kaum einen Bleistift halten, er läuft auf Zehenspitzen – „sein ganzer Körper war steif, er ging nur noch wie ein Roboter“, erzählt Nicole Schmaderer.

Seither fahren Lucas und seine Mama, und wann immer es der Beruf zulässt auch der Papa, mehrmals in der Woche zur Uniklinik Regensburg. Lucas erhielt zunächst zweimal in der Woche eine Art Blutwäsche. Und noch heute dreimal in der Woche Physiotherapie, dazu die Medikamente. „Ich lese keine Packungsbeilagen mehr, das gewöhnt man sich mit der Zeit ab“, sagt Nicole Schmaderer, die sich trotz allem ihr Lachen bewahrt hat. Wie ihr Sohn, der mittlerweile wieder Fußball spielen kann und ein aufgeweckter Bub ist.

Das verdankt die Familie aus dem oberpfälzischen Waffenbrunn (Kreis Cham) auch Carreras und seiner Stiftung, die an der Uniklinik Regensburg in den vergangenen Jahren 14 Projekte unterstützt hat, davon mit 500 000 Euro die weitere Erforschung der „Spender-gegen-Empfänger-Erkrankung“, an der Lucas leidet. Deshalb möchten die Schmaderers heute Abend in der Live-Sendung Danke sagen – und die Zuschauer animieren, das Projekt des Opernsängers zu unterstützen. Der hat bekanntlich selbst eine Leukämie-Erkrankung überwunden.

„Es ist aufbauend, jemanden zu treffen, der das alles selbst überlebt hat“, sagt Nicole Schmaderer. Andere könnten sich nur schwer vorstellen, was es heißt, wenn das eigene Kind so schwer erkrankt. Sie kannte das ja nur zu gut von sich selbst. „Man hört von solchen Schicksalen, fühlt mit den Familien, aber vergisst das Thema auch schnell wieder. Doch ich weiß, wie es ist: Es können wie bei uns fünf Sekunden das ganze Leben verändern.“ Sie möchte daher alle ermutigen, zu spenden – damit das Forschen weitergeht. Und Kinder wie Lucas weiter lachen können.

Artikel 2 von 2