Historienfilm

Die Kirche, die Macht und das Geld

von Redaktion

Die ARD zeigt Rainer Kaufmanns opulenten Zweiteiler „Die Puppenspieler“ nach dem Roman von Tanja Kinkel

Von Cornelia Wystrichowski

Wir schreiben das Jahr 1484. Der fanatische Inquisitor Heinrich Institoris (Philipp Moog) lässt die schöne Sarazenin Zobeida (Veronika Strapková) als Hexe verbrennen. Ihr Sohn, der junge Klosterschüler Richard (Petr Cemper), findet bei dem reichen Augsburger Kaufmann Jakob Fugger (Herbert Knaup) Schutz und erlebt an dessen Seite die Intrigen um die Wahl des berüchtigten Rodrigo Borgia zum Papst. Das zweiteilige Historienabenteuer „Die Puppenspieler“, zu sehen heute und am Freitag jeweils um 20.15 Uhr im Ersten, nimmt den Zuschauer mit auf eine reich bebilderte Reise durchs Europa der Renaissance – wer Filme wie „Der Medicus“ mag, wird an der opulenten Romanverfilmung seine Freude haben.

Den Bankier und Unternehmer Jakob Fugger (1459 – 1525) gab es wirklich, ebenso wie Heinrich Institoris (ca. 1430 – 1505). Der Dominikanermönch legte mit seiner berüchtigten Schrift „Hexenhammer“ den Grundstein für die grausame Hexenverfolgung der Neuzeit. Im Film nimmt Jakob Fugger den zehnjährigen Richard als Ziehsohn bei sich auf. Der wächst zum jungen Hitzkopf heran und will sich an Institoris, dem Mörder seiner Mutter, rächen.

Als der amtierende Papst Innozenz VIII. im Sterben liegt, reisen Jakob und Richard (nun gespielt von Samuel Schneider) nach Italien. Der Fugger will den willfährigen Kardinal Ascanio Sforza (Jan Messutat) auf den Heiligen Stuhl bringen, als Papst soll er ihm helfen, seine Kupferminen vor der Bedrohung durch die Ungarn zu schützen. Der Kaufmann schmiert die Mächtigen, er kungelt mit dem einflussreichen Kirchenfürsten Borgia (Ulrich Matthes) – doch dann bringt die Unbeherrschtheit Richards seine Pläne in Gefahr. Der junge Mann hat sich in die hübsche Saviya (Helen Woigk) verliebt, die von Institoris der Hexerei bezichtigt wird – es kommt zum Showdown zwischen den beiden Erzfeinden.

Die Story von „Die Puppenspieler“ basiert im Wesentlichen auf dem gleichnamigen Bestseller von Tanja Kinkel über eine Epoche des Umbruchs. Auf der einen Seite grassiert religiöser Wahn, auf der anderen Seite gewinnt der Kapitalismus an Boden, schwerreichen Kaufleuten wie den Fuggern gelingt der gesellschaftliche Aufstieg.

Die Macher legen Wert darauf, dass der Film Themen anspricht, die auch heute noch aktuell sind – religiöser Fanatismus, Volksverhetzung, Kapitalismus, käufliche Macht, aber auch die Vorteile von Netzwerken und schneller Informationsübermittlung. Der Zweiteiler punktet aber nicht zuletzt mit seinem hohen Schauwert. Die prunkvollen Kostüme sind ein Augenschmaus, sie fanden sich im Fundus von Filmstudios in ganz Europa, Die Reise von Jakob Fugger und Richard durchs Europa der Renaissance führt den Zuschauer zu den unterschiedlichsten Schauplätzen vom mittelalterlichen Dorf bis zum Papstpalast.

Gedreht wurden „Die Puppenspieler“ in Prag und Umgebung, in der Toskana sowie in den Bayerischen Alpen. Teilweise konnten die Macher dabei bereits bestehende Kulissen nutzen, etwa Bauten, die von der Serie „Die Medici“ übrig waren. Regie führte Rainer Kaufmann.

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