„Es war schön“

von Redaktion

Nach 36 Jahren und 80 Folgen verlässt Schauspielerin Heide Keller am Neujahrstag das ZDF-„Traumschiff“

Von JOnas Erik Schmidt

Heide Keller zitiert oft „Traumschiff“-Erfinder Wolfgang Rademann (1934–2016). Der habe gesagt: „Es gibt so viel Schreckliches. Da muss man das doch nicht auch noch in der Unterhaltung zeigen.“ Heide Keller, die alle nur als Chefhostess Beatrice auf dem ZDF-„Traumschiff“ kennen, hält sich strikt daran. Bis zur letzten Sekunde. In der Folge am Neujahrstag um 20.15 Uhr ist es nämlich so weit. Beatrice, seit 1981 an Bord und eine Art Kulturgut des deutschen Fernsehens, hängt ihre blütenweiße Uniform für immer an den Nagel und verlässt das Schiff. Letzter Satz: „Es war schön.“

Es ist kein unbedeutender Abschied, den das ZDF in der Folge „Los Angeles“ zeigt. Beatrice von Ledebur ist, das muss man sich klar machen, länger auf dem „Traumschiff“ als Mutter Beimer in der „Lindenstraße“ (ARD). Und als Chefhostess stand sie sinnbildlich für die ganze Serie – viel Harmonie, wenig Doppeldeutigkeiten. Das gute, alte Fernsehen.

Die Geschichte, die rund um ihren letzten Landgang erzählt wird, ist typisch „Traumschiff“ – etwas konstruiert, aber nett anzuschauen. Beatrice hat – unter Pseudonym – ein Buch geschrieben, „an langen Abenden und verregneten Tagen“. Was bemerkenswert ist, denn eigentlich regnet es nie auf dem „Traumschiff“. Das Buch wird auf Anhieb ein Bestseller, und bald taucht auch noch ein Produzent aus Hollywood auf, man ist schließlich in Los Angeles.

Zudem denkt Beatrice offenkundig schon länger daran aufzuhören. Die Fernsehfigur formuliert es in der Folge so, wie es Schauspielerin Heide Keller bereits Anfang des Jahres formulierte: „Ich möchte gehen, solange ich noch in Stöckelschuhen die Gangway herunterkomme.“ Zu Kapitän Victor Burger sagte sie: „Du bist doch jetzt groß. Du kannst das schon allein.“

Man meint dabei nicht nur zwei Mitglieder der Crew sprechen zu hören, sondern auch einer Abschiedszeremonie zweier Stars der deutschen Serienwelt der Achtziger beizuwohnen. Denn Burger wird gespielt von dem einige Jahre jüngeren Sascha Hehn (63), der 1981 als Steward mit an Bord ging. Heute ist er der Chef des Dampfers.

Überhaupt ist auffällig, wie viele Querverweise zwischen der fiktiven Beatrice und der echten Heide Keller gemacht werden. Das Pseudonym, unter dem die Hostess Starautorin wird, lautet „Jac Dueppen“ – und erinnert so an das Pseudonym, unter dem die gebürtige Düsseldorferin Keller selbst Geschichten für das „Traumschiff“ schrieb.

„Alles hat seine Zeit. Und ich bin dankbar, dass ich selbst über meinen Abschied entscheiden konnte“, sagt Keller im Interview. Ihre Stimme klingt dabei allerdings belegt. Sie sei jetzt 78, erklärt sie. Mitunter kursierten dazu andere Angaben. „Irgendwann hat mal jemand ein falsches Geburtsdatum in ein Buch geschrieben“, erläutert sie.

Wer die „Traumschiff“-Folge anschaut, bekommt natürlich nicht nur Beatrice. Vielmehr werden wieder allerhand Geschichten von Passagieren erzählt. So entwickeln die Brüder Ralf (Jan Sosniok) und Christoph (Herbert Ulrich) Gefühle für dieselbe Frau (Ellenie Salvo Gonzalez), und es herrscht dicke Luft zwischen Sabine (Lena Stolze) und ihrem Pflegesohn Nico (Remo Schulze), der kurz vor dem Abi die Schule geschmissen hat, um in Hollywood Stuntman zu werden.

Es ist also wie immer, bis zum Schluss. Dann geht Beatrice. Der Rest bleibt.

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