Mehr als drei Jahre hat die Regisseurin Britta Wauer den Landesrabbiner von Mecklenburg-Vorpommern, William „Willy“ Wolff, mit der Kamera begleitet. In zahlreichen Gesprächen blickt er auf sein bewegtes Leben zurück und erzählt von seinem Wunsch, Rabbiner zu werden. Wolff studierte Nationalökonomie in England und machte als Journalist Karriere. Unter anderem arbeitete er als Ressortleiter Politik beim „Daily Mirror“. Außerdem – auch da war die Autorin mit der Kamera dabei –, liebt er Yoga und Massage, Weihnachtslieder in der Kirche von Schloss Windsor und die Pferderennen in Ascot. Arte strahlt den 90-minütigen Dokumentarfilm „Rabbi Wolff“ am Montag um 23.50 Uhr aus.
William Wolff ist ein Bilderbuch-Rabbi, fit und charmant. 1927 in einer jüdisch-orthodoxen Familie in Berlin geboren, flüchtete er 1933 mit seiner Familie nach Amsterdam, dann weiter nach England. Er war jahrzehntelang politischer Korrespondent in London und begleitete auch den britischen Außenminister auf seinen Reisen. 2003 ging sein Traum in Erfüllung. Er wurde Landesrabbiner von Schwerin, Rostock und Wismar, deren jüdische Gemeindemitglieder fast ausschließlich Zuwanderer aus früheren Sowjetrepubliken sind. Wolff ist britischer Staatsbürger und hat seinen Hauptwohnsitz in der Nähe von London. Seine Predigten trägt er meist auf Russisch vor.
Die Regisseurin dokumentiert die Auftritte des Rabbi bei privaten Treffen und Rabbinerkonferenzen in Israel, Deutschland, Österreich und anderen Ländern und zeigt, dass er überall großen Respekt genießt. Manchmal kommt es auch zu vertrauten Gesprächen zwischen dem Rabbi und der Filmemacherin. Er erzählt zum Beispiel ganz offen, dass er seine fürs Alter gedachten Versicherungen bedauerlicherweise verkauft habe und heute froh sei über sein Gehalt als Landesrabbiner von Mecklenburg-Vorpommern, von dem er nach der Pensionierung die Hälfte erhalte.
Wauer, die 2001 für den Dokumentarfilm „Heldentod“ mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde und für „Die Rapoports“, den sie zusammen mit ihrer Kollegin Sissi Hüetlin machte, 2005 den Grimme-Preis erhielt, begleitet den Rabbi seit vielen Jahren. Sie veröffentlichte nicht nur eine Biografie über Wolff. Sie engagierte ihn auch für eine kleine, aber viel beachtete Rolle in „Im Himmel, unter der Erde“, einem Dokumentarfilm über den Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee.