Comeback im Bayerischen Fernsehen: Willi will’s wieder wissen

von Redaktion

Wenn „Willi will’s wissen“ im Fernsehen lief, saßen nicht nur Millionen kleine Zuschauer gebannt vor den Fernsehern, auch ihre Eltern hatten Spaß – und das muss ein Kinderprogramm erst mal schaffen. Willi Weitzel, der die Sendung von 2002 bis 2010 moderierte, war Kult. In den vergangenen Jahren war es dann ruhiger geworden um den 45-jährigen Wahlmünchner. Nun ist er zurück. Am Samstag startet „Gut zu wissen“ im BR-Fernsehen. Was es damit auf sich hat, erzählt er im Interview.

-Stellen Sie uns Ihre neue Sendung kurz vor? Warum lohnt sich das Einschalten?

Der erste Grund: Es gibt einen super aussehenden Moderator. (Lacht.)

-Das ist schon mal was.

Das ist vor allem neu, denn ich bin ja eigentlich ein Feld- und Wiesenreporter, stand in sämtlichen Fabriken dieser Nation und habe immer handfest mitgearbeitet. Wenn irgendwo eine Schaufel stand, habe ich mitgegraben, wenn es ein Lenkrad gab, habe ich mich dahintergesetzt. Und die neue Sendung jetzt wird im Studio aufgezeichnet, ich werde gepudert, frisiert, und es gibt jemanden, der rumzuppelt und schaut, dass alles gut sitzt. Das ist ein neues Gefühl für mich, aber durchaus angenehm. Man fühlt sich irgendwie wichtig. (Lacht.) Aber das nur am Rande. Die Frage war ja, worum es in der Sendung geht.

-Und?

Es ist auf der einen Seite eine Wissenschaftssendung, auf der anderen Seite soll es keine reine Wissenschaftssendung sein – so interessant, wichtig und ernst die Themen auch sind. Ich sehe meine Funktion darin, wissenschaftliche Themen auf unseren Alltag „runterzubrechen“, durchaus auch spielerisch. So, wie man es von mir kennt.

-Ein Beispiel?

Wir haben uns für die erste Sendung das Thema Isoglukose gegriffen. Das klingt erst mal sehr wissenschaftlich, aber es handelt sich dabei um einen Industriezucker, der aus Maisabfällen hergestellt wird. Seit die EU vor einiger Zeit eine Begrenzung aufgehoben hat, kann dieser sehr ungesunde Industriezucker maßlos zum Süßen unserer Lebensmittel verwendet werden. Wir erklären in der Sendung, was das für unser Leben und unsere Gesundheit bedeutet.

-Sie haben sich Verstärkung geholt. Der Youtuber und Physiker Philip Häusser hat eine kleine Rubrik in der Sendung.

Da steckt unser Plan dahinter, die ganze Bandbreite der Menschheit für unsere Sendung zu gewinnen. (Lacht.) Im Ernst: Wir wissen natürlich, dass die Jugendlichen heute nicht unbedingt am Samstagabend den Fernseher einschalten. Wenn sie aber wissen, dass der Philip in unserer Sendung dabei ist, überlegen sie es sich vielleicht noch mal – oder schauen die Sendung in der Mediathek an. Das geht ja auch.

-Das heißt, Sie wollen konkret junge Zuschauer ansprechen?

Ja, aber nicht nur. Die Sendung ist so, dass sich auch die Stammzuschauer des BR-Fernsehens angesprochen fühlen. Vielleicht stehe ich ja genau dafür: Ich habe auf der einen Seite ein lebendiges Kind im Herzen, bin aber ein Mann von 45 Jahren.

-Es ist eine Weile her, dass Sie im Fernsehen präsent waren. Wo haben Sie in den vergangenen Jahren gesteckt?

Ich habe meine Freiheit genossen, ohne dabei faul zu sein. Ich habe mich schon bei „Willi will’s wissen“ als reisender Reporter gesehen und nach dem Ende der Sendung diese Lust am Reisen noch weiter entdeckt. Ich bin dann als Abenteurer mit der Kamera durch die Welt gefahren – angefangen mit einer Alpenüberquerung. Außerdem war ich mit einem Esel von Nazareth nach Bethlehem unterwegs, habe versucht, den Montblanc zu besteigen und so weiter. Und dann habe ich mich noch meiner eigenen Familie gewidmet und mittlerweile drei Töchter, die neun und drei Jahre sowie fünf Monate alt sind.

-Da passt so ein Leben als Abenteurer nur bedingt rein, oder?

Stimmt. Da passt eine regelmäßige Arbeit wie für „Gut zu wissen“ besser rein. (Lacht.)

-Ist Ihnen das schwergefallen, die Freiheit gegen das „brave“ Familienleben einzutauschen?

Ja, schon. Ich musste mich einerseits mit dem Gedanken arrangieren, ein Stück meiner Freiheit  gegen dieses regelmäßigere Leben einzutauschen. Andererseits bemühe ich mich, beides miteinander zu verbinden und bin weiterhin auch auf Abenteuern unterwegs. Ich habe aber gemerkt, dass es total mein Ding ist, eine Sendung zu moderieren. Vor zwei, drei Jahren gab es sogar mal eine Phase, in der ich richtiges Heimweh nach dem Fernsehen hatte. Damals habe ich mich dann bei allen möglichen Kinderredaktionen deutschlandweit vorgestellt – allerdings ohne Erfolg.

-Auch keine leichte Erkenntnis.

Stimmt, aber ich habe das akzeptiert und mir gesagt: Dann ist es jetzt so. Alles hat seine Zeit.

-Und jetzt ist die Zeit für eine neue Sendung.

Ja, so scheint es. Ich musste mich zwar in einem Casting für „Gut zu wissen“ als tapferer Ritter im Kampf gegen sechs andere Moderatoren behaupten. Aber es hat geklappt, und ich habe das Gefühl, diese Sendung passt sehr gut zu mir.

Das Gespräch führte Stefanie Thyssen.

Sendehinweis:

„Gut zu wissen“ läuft immer samstags um 19 Uhr.

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