ARD-Pläne

„Wir wollen reaktionsfähiger werden“

von Redaktion

Das Erste will bei seinem Programm am Montagabend schärfer und verstärkt auf Dokumentationen auch zur Hauptsendezeit setzen

Von Carsten Rave

Die ARD will ihrem Montagabend im Ersten mehr Profil verschaffen und stärker auf Dokumentationen setzen. „Wir werden unser Informationsangebot in diesem Jahr noch weiter ausbauen“, sagte Chefredakteur Rainald Becker in Hamburg. „Unser Ziel ist es, im dokumentarischen Bereich reaktionsfähiger zu werden. Wichtige politische und gesellschaftliche Themen werden auch zur Primetime ihren Platz im Ersten finden.“

Am Montag um 20.15 Uhr, also zur Hauptsendezeit, will das Erste sich daher „mit brisanten Dokumentationen relevanten Themen“ widmen. Von Fall zu Fall sollen die Stoffe anschließend um 21 Uhr in Frank Plasbergs Diskussionssendung „Hart aber fair“ weiterverhandelt werden. Das trifft jedoch nicht auf jeden Montag zu, denn die Dokumentationen um 20.15 Uhr werden sich mit Naturfilmen und den sogenannten „Checkformaten“ abwechseln. Der Programmplatz hat es schwer, weil das ZDF starke Filme und der Privatsender RTL sein Günther-Jauch-Quiz „Wer wird Millionär?“ dagegensetzen.

Die ARD kündigte neben der Überarbeitung ihres Montagabends auch eine Reihe neuer Filmproduktionen an. Unter anderem steht in diesem Jahr die Ausstrahlung des Politthrillers „Saat des Terrors“ mit Christiane Paul und Heiner Lauterbach über Terrorismus am Hindukusch an. Ebenso ist der Film „Big Manni“ mit Hans-Jochen Wagner geplant über einen Finanzmarktbetrüger in Anlehnung an den Fall der Firma Flowtex.

Die Geschichte „Aufbruch ins Ungewisse“ ist ein inszeniertes Zukunftsszenario über Flucht und Vertreibung aus Europa. Bereits für den 7. und 8. März terminiert ist der Zweiteiler „Gladbeck“ über die spektakuläre Flucht zweier Bankräuber mit Geiselnahme im Jahr 1988. Im Programm sind auch eine Gesellschaftssatire über den Münchner Modezaren Rudolph Moshammer (mit Thomas Schmauser) und „Wut“, ein Episoden-Drama um das Schicksal dreier Frauen, die mit dem Überfall auf einen Obdachlosen in Zusammenhang stehen.

Zu den seriellen Höhepunkten zählt das Erste die 16-teilige historische Krimiproduktion „Babylon Berlin“ im Herbst. Der Abo-Anbieter Sky, der die Serie mit der ARD gemeinsam in Auftrag gegeben hatte, zeigte die Geschichte bereits im vergangenen Jahr. Ebenso stehen sechs neue Folgen von „Weissensee“ über das Nach-Wende-Berlin an. Für den Dienstagabend sind die Serien-Neustarts „Falk“ mit Fritz Karl und „Die Heiland: Wir sind Anwalt“ mit Lisa Martinek vorgesehen. 43 neue „Tatort“- und „Polizeiruf 110“-Krimis zeigte das Erste im vergangenen Jahr. Auch heuer sei eine ähnliche Schlagzahl geplant. „Dabei werden wir bei allen Weiterentwicklungen des Formats darauf achten, dass der seit über 45 Jahren erfolgreiche Markenkern des Sonntagskrimis erhalten bleibt“, sagte Becker. „Wir wollen zeitgemäß erzählen und neugierig auf Neues machen, die Erwartungen des Publikums dabei aber nicht aus den Augen verlieren.“ Zuletzt war der ARD häufiger Realitätsferne mancher „Tatort“-Geschichten vorgeworfen worden.

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