ARD

Geld oder Leben

von Redaktion

Horst Sczerbas schwarze Komödie „Die vermisste Frau“, ein etwas anderer Freitagsfilm im Ersten

Von Rudolf Ogiermann

Die (Risiko-)Lebensversicherung – wohl kaum ein Vertragswerk beflügelt die Fantasie des Menschen mehr. Wenn nach dem (plötzlichen) Ableben des Versicherten eine Menge Geld an den oder die Hinterbliebenen fließt, fragt sich so mancher Außenstehende, ob da alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Mit diesem Motiv spielt Horst Sczerbas Fernsehfilm „Die vermisste Frau“, den das Erste morgen um 20.15 Uhr zeigt.

Karen (Corinna Harfouch) ist bereit zu sterben, um ihren Mann Georg (Jörg Hartmann) von seinen Schulden zu befreien. In Fall ihres Todes bekommt er eine Million Euro ausgezahlt. Doch der Suizid misslingt, Karen läuft betrunken und desorientiert davon – und zufällig direkt einem Killer in die Arme, den kein anderer als Georg gedungen hat, seine Frau umzubringen. Bruno (Ulrich Matthes) sieht sofort die Chance, seinen vergleichsweise geringen Lohn aufzubessern. Während Georg – in der Annahme, dass seine Frau längst eine Wasserleiche ist – nur darauf wartet, dass die Summe endlich ausbezahlt wird und er seine Gläubiger los wird, spielen Bruno und Karen, die einander schnell sympathisch sind, ein raffiniertes Spiel, um selbst an die Kohle zu kommen.

Was wie ein Krimi beginnt, entwickelt sich sehr schnell zur schwarzen Komödie mit vielen überraschenden Wendungen, ein Spiel um Koffer voller Geld, die (fast) alle Beteiligten jegliche Skrupel vergessen lassen. Es fallen – so viel darf verraten werden – am Ende eine Menge Schüsse, und so mancher, der schon von einem Leben in Saus und Braus träumt, hat bald darauf ein Loch in der Brust.

Was ein Fest für die hervorragenden Schauspieler ist (neben den bereits genannten die begabte Lorna Ishema als geheimnisvolle Mona), wird so manchen Zuschauer ungläubig wieder und wieder in die Programmzeitschrift schauen lassen. Denn mit den üblichen Freitagsfilmen, meist herbsüße Romanzen mit Happy End, hat „Die vermisste Frau“ nicht viel zu tun.

Das liegt, wie die ARD-Filmtochter Degeto auf Anfrage unserer Zeitung erklärt, an der Jahreszeit. „Wir haben uns auf der Grundlage der Erfahrungen der letzten Jahre dazu entschieden, an den nächsten beiden Freitagen von der normalen Programmierung abzuweichen und dem Zuschauer ein komplementäres Angebot auf dem ,Endlich Freitag im Ersten‘-Sendeplatz zu machen“, so der zuständige Redaktionsleiter Sascha Schwingel. Die Konkurrenz ist in der Tat groß – wer nicht gerade einen klassischen Krimi oder eine Spielshow schauen will, könnte morgen Abend zur „Fastnacht in Franken“ im Bayerischen Fernsehen abwandern.

In einer Woche, wenn im ZDF der Karnevalsklassiker „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ läuft, zeigt das Erste dann nochmals den Krimi „Die letzte Spur“ nach Charlotte Link.

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